Donnerstag, 31. Juli 2008

Australien 7

Ein kleines Resume'

Nach einer 12 Stunden Fahrt mit dem Zug kommen wir in Sydeny an. Damals sind wir von hier aus nach Melbourne aufgebrochen. Auch im Zug. Wie die Aborigines sagen wuerden: "Gute Dinge brauchen der Wiederholung".

Wie die meisten von euch wissen, haben wir versucht unseren Van, erst in Cairns und dann in Brisbane, zu verkaufen. Das hatte nach schon drei Tagen geklappt. Ein aelteres Ehepaar aus Frankfurt haben unseren Mistkaefer gekauft. Die beiden kennenzulernen war echt ein Segen. Die beiden sind schon seit 1993 auf ihrem Segelboot auf der Welt unterwegs. Jetzt wollen sie mal auf dem Land ein paar Strecken zuruecklegen. Einfach toll was die beiden zu erzaehlen hatten.

Danach haben wir in einem kleinen Hostel eingescheckt, echt suess, absolut sauber und familiaer. "Aussi Way" ist sein Name.
Dort hatten wir ein paar grossartige Tage mit Jenni, Daniela, Christian, Rene und Carlos.
Nach einigem Hin-und Herueberlegen haben wir uns gemeinsam entschiedden unsere Fluege nochmals umzubuchen. Wir fliegen jetzt am 19. August nach Santiago de Chile!!!!!!!!!

Am letzten Freitag waren wir nochmal als kroenenden Abschluss in der Oper von Sydney bei "Don Giovanni". Die Oper hat innen nur eine Groesse von der in Karlsruhe, sagt Heiko. Ich kenn mich da nicht so aus, aber Heiko hat schon bessere Darstellungen gesehen. Mir hats richtig gut gefallen!

Unsere Zeit hier in Australien ist nun vorueber und deshalb ein kleines Resume'.

Australien ist gross und hat unendliche Weiten. Die Natur ist wunderschoen und man kann sich hier auch der Natur auch noch ganz nah und verbunden fuehlen. Mit Lagerfeuer unterm gigantischen Sternenhimmel und der freiumherlaufenden bzw. springenden Tiere.
Der Australier ist sportbegeistert, freundlich und sorglos und unheimlich stolz auf sein Land.

Mit was fuer Vorstellungen kommt man nach Australien? Eine Backpackermetropole bei der man sich mit Arbeiten das Reisen finanzieren kann. Und einfach mit dem Auto, ob Campervan, Stationwagon oder 4WD (FourWheelDrive) durch Australien fahren kann. Ein riesiger Spielplatz. Hoert sich traumhaft an. Und dann die Kunst der Aboriginals. Die ist ja weltbekannt und Aushaengeschild. Oft mehr bekannt als die Kunst von Australiern selbst.
Also erstmal muss man einen Job finden. Da braucht man einen Lebenslauf. Und da muss am besten draufstehen das du schon ne Menge Erfahrungen hast in dem Job fuer den du dich bewirbst. Auch wenns nicht stimmt. Aber "No worries".
Wenn du dich aber fuer einen Job bewirbst in deinem Berufszweig, musst du Kurse belegen und das kann lange dauern, sehr kostspielig werden und ob du dann einen Job bekommst, ist auch noch fragwuerdig. Also machst du als Backpacker oft so Arbeit wie Autos putzen, Fruit picken, Tueren auf und zuschieben, putzen in Hotels, kellnern oder stehst am Fliessband in einer Fabrik.
Selbst um Kaffee zu machen in einem Cafe muss man einen Kurs machen. Aber wenn du als Krankenschwester arbeiten willst genuegt dein Zeugnis, nicht uebersetzt, oder jemand aus Deutschland ruft an und bestaetigt das du schon mal im sozialen Bereich gearbeitet hast. Allerdings geht es hier um Menschenleben. Wo da der Sinn ist, ist uns nicht ganz klar.
Wenn man laenger hier in Australien bleiben will, ist es einfacher an Jobs mit hoeherer Qualifizierung zu kommen. Dann kauft man sich einfach eine Rolle und ist Maler. So siehts dann auch aus. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ziemlich einfach ist es auf dem Lande eine der Fruitpicking Jobs zu bekommen. Saison ist ueberall mal und gepflueckt muss auch werden. Da kann es dich hart treffen, bei 40 Grad in der Sonne ohne Schatten. Und Verbrennungen kann man sich auch zuziehen. Aber der Zusammenhalt in den Fruitpickinghostels soll grossartig sein. Man sitzt ja im selben Boot. Alle die ein 2. Jahr hierbleiben oder die Moeglichkeit offen halten wollen, gehen 3 Monate Fruitpicken oder machen sonst irgendeine Art Farmarbeit. Allerdings muss man sich auch den einen oder anderen rauen Ton der Farmbesitzer gefallen lassen oder sich wie in alten Roemerzeiten sich wie ein Sklave antreiben lassen. Backpacker machen einen grossen Wirtschaftszweig in Australien aus, der nicht mehr wegzudenken ist. Jede Art von Fruechten oder Gemuese wird von Backpackern gepflueckt. Es sind ja auch immer welche da. Ob Backpacker oder Fruechte. Sie gehoeren wohl zusammen.
Manchmal frage ich mich wie sich die Polen oder Tschechen sich bei uns vorkommen. Viele von ihnen machen bei uns die Arbeiten fuer die wir Deutschen uns schon lange zu bequem sind.

Wenn man sich dann von seiner sauerverdienten Kohle ein Auto kaufen will, muss man aufpassen sich nicht von einen der Backpacker uebers Ohr hauen zu lassen. Da wird einem alles moegliche verschwiegen. Hauptsache das Auto geht weg. Auch wir mussten unser Lehrgeld zahlen. Hey, aber schliesslich sind wir in Australien und da kriegt man Abenteuer umsonst dazu. Oder wie der Australier sagen wuerde "No worries".
Mit "No worries" kann man hier fast alle Probleme loesen.
Wenn du in ein Geschaeft gehst und ein paar Informationen haben willst, kann es sein das der jenige garnicht wusste das sie dieses Produkt fuehren. Wenn ja, viel darueber wissen tun sie nicht. Man muss also Glueck haben. Gaengige Antwort ist dann "I don't know actually". oder "No worries".
Auch mal schnell den Oelwechsel hinterm Haus machen und dabei das Oel einfach in den Rasen ablaufen zu lassen: Ich sach ma "No worries" (zug.: keine Sorge, wir haben das nicht gemacht).
Man kann hier auch einfach mit unangemeldetem Auto durch Australien fahren, auch das ist nicht so schlimm: Da sach ich ma "I don't care."
Wenn irgendwo ein Schild steht 'Camping nicht gestattet' kann man doch mal draueber hinwegsehen. Die Polizei gibt dir sogar Tipps wo du noch stehen kannst. Das ist echt "not to bad". Die Polizei ist hier wirklich dein Freund und Helfer! Das fanden wir richtig toll!
Eine andere Floskel ist "How are You?" Eine schoene Art ein kleinen SmalTalk anzufangen. Am Anfang dachten wir 'Mensch die wollen alle wissen wie es uns geht. Die sind aber freundlich'. Aber es ist nur eine Floskel. Eine andere Art 'Hallo' zu sagen. Veilleicht wie bei uns 'Gruess Gott'. Allerdings verliert die eigentliche Frage an Bedeutung. Vielleicht sind wir zu deutsch fuer Australien. Zusehr daran interessiert eben nicht alles nur hinzunehmen mit "No Worries", und wenn wir jemanden fragen wie es einem geht dann wollen wir es auch wissen. Auch wenn wir damit eine Unterhaltung beginnen moechten.
Aber gut, es ist eben eine andere Kultur.
Welche Kultur eigentlich, die von den Englaendern oder so? Nein, nein die Aussies haben schon ihre eigene. Eine die 250 Jahre alt ist. Hier leben soviele Menschen aus verschiedenen Kulturen das hier der Begriff Multikulturismus entstanden ist.
Doch halt mal, Australien hat eine viel aeltere Kultur. Die der Aboriginals, der Ureinwohner! Ja das vergessen die meisten. Der australische Rentner ist stolz auf sein Australien. Er hat es mit aufgebaut und die 'Blackfellar', wie die Aboriginals hier genannt werden, haben garnichts dazu beigetragen. Die versaufen doch nur das Geld der Regierung.(Wer allerding hat den Alkohol hierhergebracht?) Aber das diesen Leuten so einiges zugemutet wurde, muss man auch mal beruecksichtigen. Bis 1969 (das ist die offizielle Zahl, eigentlich ging es bis in die 80iger Jahre) wurden den Aboriginalfamilien einfach ihre Kinder weggenommen. Das ist nicht einfach so zu vergessen. So z. B. auch Balang, er wurde seiner Familie entrissen als er drei Jahre alt war. Er wurde in ein Heim gesteckt und musste 'den weissen Weg' lernen, mit Schule und so weiter. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, seine Mutter hat er vor drei Jahren wiedergefunden.
Zudem sind die Aborigines richtige Sprachgenies. Frueher, als noch bis zu 300verschiedene Sprachen unter den Aborigines gesprochen wurde, haben sie mindestens 7Sprachen gesprochen. Die ihrer Nachbarn. Jetzt sind es aufgrund der Dezimierung der Aborigines, und teilweise Vergessen der Kultur, nur noch 4 grosse Sprachfamilien. Aber die spricht er auch und dann noch Englisch.
In den australischen, staatlichen Schulen wird entweder Spanisch, Deutsch oder Japanisch als Fremdsprache angeboten. Aber nur ein Jahr lang. Die meisten die es sich leisten koennen, schicken ihre Kinder auf Privatschulen. Ich frage mich aber, warum lernt man nicht die Sprache des Volkes das dort angesiedelt ist, wo man selbst auch lebt? Man wuerde die Sprache seiner Nachbarn lernen. Versuchen koennte man es.

Ihr seht, Australien hat in uns sehr wiederspruechlich Gefuehle hervorgerufen. Es ist nicht alles Gold was glaenzt. 'The place to be' ist es auf jeden Fall nicht fuer uns.
Australien erinnert uns sehr an Europa. Es ist einfach sehr aehnlcih und doch auch wieder nicht. Es ist eben sehr europaeisch. Sie orientieren sich ja auch daran. Aber uns ist das Original dann doch lieber. Aber wir haben das Gefuehl das man sich bei uns einfach mehr mit Problemen befasst, das Themaoder Problem auseinander nimmt. Klar es gibt nicht immer gleich eine Loesung und nicht jeder ist mit dem Ergebenis zufrieden. Und doch glauben wir, das Kopf in Sand stecken nicht hilft und auch "No Worries" ist nicht immer die Loesung. Wir verlassen diese No Worries Kultur gluecklich ueber die Zeit die wir hier hatten, aber es ist Zeit fuer was neues.
Nehmts uns nicht krumm...

Jetzt aber mal ein paar Fakten:

Unsere Route:

Sydney - Melbourne - Cape Otway, Koroit, Tantanoola (Great Ocean Road) - Coroon Nationalpark - Adelaide - Barossa Valley - Port Augusta - Coober Pedy - Penong (SA) - Eucla & Mundrabilla (Nullarbur) - Norseman - Esperance (Cape Le Grand Nationalpark) - Denmark - Walpole (Valley of the Giants) - Margret River - Perth - Ceraton (Pinnacles) - Geraldton - Kilbarri (Kilbarri NP) - Galena Bridge (near Bungle Bungle)- Lyndon River - Coral Bay (Ningaloo Reef Nationalpark)- Karratha - Port Hedland (big Mining Town)- Broome - Fitzroy Crossing (Aborigine Land)- Halls Creek (Kimberley) - Kununurra (El Questro Wilderness Park) - Lake Argyle - Katherine - Batchelor (Litchfield NP) - Darwin - Jabiru (Kakadoo NP) - Oenpelly (Arnhemland-Aboriginalland) - Daly Waters - Julia Creek - Mount Isa - Hughenden - Townsville - Cairns - Port Douglas - Mossman - Daintree (Daintree NP) - Cairns - Babinda - Bowen - Rockhampton - Tiaro - Bundaberg - Brisbane - Sydney`

Alle Kosten inclusive Uebernachtung, Verpflegung, Touren, Benzin... (ausser Flug)

54,70 A$ pro Person/pro Tag (in 171 Tagen)' das sind
33,60 Euro pro Person/pro Tag

Aber wir haben von unserem Konto in Deutschland nur 11 Euro pro Person/ pro Tag ausgegeben (das ist schon in den 35,60 Euro enthalten). Wir hatten ja damals mit 15-20Euro pro Person gerechnet. Wir konnten also Geld sparen und sind einmal um Australien gefahren. Das ist einfach super. Daraufhin haben wir uns entschieden unsere Reise zu verlaengern. Wir werden laenger in Suedamerika bleiben und vorraussichtlich erst nachstes Jahr im April oder Mai zurueckkommen.


Allein fuer Benzin haben wir 3491,85 A$ gezahlt. Wir sind mit unserem Mistkaefer 19.157 km gefahren.

Wir haben in 4 Hostels uebernachtet. Wir haben an 51 verschiedenen Plaetzen auf unserer Rundreise uebernachtet, davon waren nur 10 Zeltplaetze. Ansonsten auf den freien Campingareas. Duschen meistens irgendwo am Strand oder mal schnelle ungemerkt auf einem der Campingplaetze.


Heiko und Nicole

Australien 6

Songlines

Aborigines betrachten sich als Jaeger. Der ganze australische Kontinent war ihr Jagdgrund. Sesshafte sind >unbewegliches Wild<. Das Wort fuer Sesshafte ist bei den Aborigines >Fleisch<.

Die Weissen gingen von der irrtuemlichen Annahme aus, dass Aborigines, weil sie Wanderer waren, keine Landbesitzordnung haetten.
Aborigines konnten sich ein Territorium nicht mit Grenzen umschlossenes Land vorstellen, fuer sie war es eher ein verschachtelets Netz von Linien oder >Durch-Gaengen<. All ihre Woerter fuer Land sind identisch mit den Wortern fuer Linie. Der groesste Teil des australischen Buschlandes bestand aus duerrem Gestruepp oder Wueste, wo die Regenfaelle sehr unregelmaessig kamen und auf ein fettes Jahr sieben magere Jahre folgen konnten. Um hier zu ueberleben musste man umherziehen. Die Definition vom >eigenen Land< eines Menschen war >der Ort, an dem man nicht fragen muss<.
Doch um sich an diesem Ort zu Hause zu fuehlen, musste man imstande sein, es zu verlassen. Jeder hoffte, wenigstens 4 >Aus-Wege< zu haben, auf denen er in Krisenzeiten reisen konnte. Dazu musste jeder Stamm Beziehungen zu seinem Nachbarn pflegen. So wurden Obst, Enten, Ockerfarben usw. gehandelt. Entlang dieser Linien wurde getauscht. Dieser Handel war kein Handel wie wir ihn verstehen. Kein Geschaeft, kein Profit. Es wurde alles geteilt. Zudem glauben die Aborigines dass >Gueter< potenziell schaedlich waren und sich gegen ihre Besitzer richteten, sofern sie nicht richtig in Bewegung waren. Gueter waren Absichtserklaerungen: um wieder zu handeln, sich wieder zu treffen, die Songgrenzen festzusetzen, untereinander zu heiraten, zu singen, zu tanzen, um Schaetze zu teilen und Gedanken auszutauschen. So wandert z.B. eine Muschel von einer Hand zur anderen, von der Timorsee zur Grossen Bucht, entlang der >Strassen<. Diese Strassen folgten der Linie unversiegbarer Wasserloecher. Wasserloecher selbst waren auch Zeremoniezentren, wo sich Maenner verschiedener Staemme versammelten. So ist eine Handelsstrasse eine Songline. Denn Lieder und nicht Dinge sind Hauptgegenstand des Tauschens. Der Handel mit >Dingen< ist eine Begleiterscheinung des Handelns mit Liedern.
Bevor die Weissen kamen, war niemand ohne Land, denn jeder erbte als seinen oder ihren privaten Besitz ein Stueck Lied des Ahnen und ein Stueck Land ueber das das Land fuehrte. Die Strophen eines Menschen waren seine Besitzurkunde fuer sein Territorium. Er konnte sie an andere ausleihen. Er konnte sich seinerseits Strophen borgen. Nur verkaufen oder loswerden konnte er sie nicht. Wo immer sich ein Zeremonieplatz befand bestand die Moeglichkeit das sich an ihm die anderen Traeume ueberschnitten. So konnten bei einem dieser Corroborrees (Traumplatzzeremonie) 4 verschiedene totemistische Klans von beliebig vielen verschiedenen Staemmen versammelt sein, die allesamt untereinander Lieder, Taenze, Soehne und Toechter austauschten und sich gegenseitig >Wegerechte< garantierten. Dies bedeutete das er seine >Lied-Karte< vergroesserte. Auch ueberspringt jeder Liederzyklus alle Sprachbarrieren, ohne Ruecksicht auf Staemme und Grenzen.
Ein Traumpfad konnte in Nordwesten in Broome beginnen, sich durch 20 oder mehr Sprachen schlaengeln und schliesslich bei Adelaide ans Meer gelangen. Die Melodie ist immer dieselbe, nur die Woerter aendern sich. So koennte man theoretisch quer durch Australien wandern bzw. singen, vorrausgesetzt man kennt die richtige Melodie.
Auch wenn man heiraten will und >frisches Blut< will (wegen Inzesttabus), wandert man entlang der Songlines. Die Aeltesten raten bis zu 3 Etappen zu wandern. Eine Etappe sei die Uebergabestelle wo das Lied in den Besitz eines anderen uebergehe, da wo man alle schon bekannten Strophen zu Ende gesungen und nichts mehr >ausleihen< konnte, lag die Grenze.
Aber eigentlich gibt es keine Grenzen, sondern eher Strassen und Etappen.
Zum Beispiel: im Stammesgebiet der Aranda in Zentralaustralien ging man von 600 Traeumen aus, die sich in das Gebiet hinein und herauswoben. Das bedeutete 1200 verstreute >Uebergabestellen<. Jeder Halt war von einem Ahnen in der Traumzeit in seine Position gesungen worden: sein Platz auf der Lied-Karte war daher unveraenderlich.

So aehnlich wie bei dem Vogelgesang. Auch Voegel singen ihre territoralen Grenzen.


Gewiss, bei den Aborigines gab es Kampfe und Vendetten und Blutfehden, aber immer nur um ein Ungleichgewicht oder ein Sakrileg abzuschaffen. Der Gedanke, das Land ihrer Nachbarn zu ueberfallen, waere ihnen nie gekommen.

Eine andere Sache ist die Frage der doppelten Vaterschaft. Jeder Aborigine weiss genau wer sein Vater ist, doch gab es zusaetzlich eine Art paralleler Vaterschaft, welche die Seele mit einer bestimmten Stelle in der Landschaft verband. Jeder Ahne hatte, so glaubte man, waehrend er seinen Weg durch das Land sang, eine Spur von >Lebenszellen< oder >Geisterkindern< an der Linie seiner Fussspuren hinterlassen. Man muss sich eine bereits schwangere Frau bei der taeglichen Nahrungssuche vorstellen. Ploetzlich tritt sie auf eine "Strophe", von einem Ahnen, und das >Geisterkind< springt auf, durch ihren Fussnagel bis hinauf in ihre Vagina oder durch eine offene Schwiele am Fuss. Es arbeitet sich bis in ihren Bauch vor und schwaengert den Foetus mit Gesang. Die erste Regung des Babys, entspricht dem Augenblick der >geistigen Empfaengnis<.
Dann kennzeichnert die zukuenftige Mutter die Stelle und eilt davon, um die Aeltesten zu holen. Diese interpretieren dann die Position und bestimmen welcher Ahne diesen Weg gegangen ist und welche Strophen in den Besitz des Kindes uebergehen werden. Sie reservieren ihm eine >Empfaengnisstaette<, die der naechsten Landmarke der Songline entspricht.


Wir hoffen das war nicht zuviel. Wenn man das zum ersten mal hoert ist es bestimmt viel und ueberfaellt einen. Aber es ist doch eine sehr intereassante Sache. Wer sich fuer die Aborigines interessiert oder auch einfach fuer Austrlien, hier ein paar Buchempfehlungen:

"Fruehstueck mit Kaengeruhs" - Bill Bryson
"Traumpfade" - Bruce Chatwin
"My Place" - Sally Morgan
"Rabbit Proof Fence" - Doris Pilkington ist auch bei uns verfilmt worden unter "A long walk home"

Die oben genannten Informationen sind zum Teil aus dem Buch "Traumpfade" von Bruce Chatwin und eigens erzaehlt bekommende.

Australien 5

Ein Tag im Arnhemland

Wir buchten eine Tour zu den Aboriginals auf einen Mittwoch, doch aufgrund einer Zeremonie wurde uns am Dienstag mitgeteilt, dass es nicht moeglich sei, die Tour zu unternehmen und uns wurde der kommende Freitag vorgeschlagen. Nach einigem Hin und Her sagten wir fuer diesen Tag zu und waren schon gespannt was uns erwarten wuerde. Am Freitag wurden wir um 8.00 Uhr mit einem 4WD abgeholt und wir fuhren mit drei anderen Australiern ueber geteerte, aber auch Gravelroad ins Arnhemlamd.
Das Arnhemland ist ein grosses Gebiet im Norden von Australien, welches zu fast 100 % von den Aboriginals verwaltet wird, was eine Ausnahme in diesem Land ist, denn das meiste Land hat sich der weisse Mann zueigen gemacht. Da es fuer die ersten weissen Siedler aber fast unmoeglich war in dieses Gebiet einzudringen, weil es fast ausschliesslich aus Busch- und Sumpfgebiet bestand, entschied die Regierung zwischen 1960 und 1970 es den Ureinwohnern zu ueberlassen und somit erhielten sie eine noch fast urspruengliche Lebensweise.

Als wir in Oenpelli, so heisst die erste Siedlung, ankamen, war noch nicht sicher welcher Aborigini unser Guide sein wuerde, da ja in den letzten Tagen eine Zeremonie stattfand und viele beizuwohnen hatten. Nachdem wir eine halbe Stunde in der ansaessigen Kunstgalerie verbrachten und uns die Gemaelde anschauten, fand sich ein Guide, sein Name war Simon.
Simon war knapp 50 Jahre alt, er war Kuenstler, Touristenfuehrer und vor allem war er einer der Maenner des Gebietes, die ueber die dortigen Geschehnisse und Entscheidungen grosses Mitspracherecht inne hatte.
Er war sehr zurueckhaltend und auch geheimnisvoll womit ich, Heiko, zu Anfang auf die Nase fiel, da ich unglaublich viel fragte, er aber nicht soviel von den Geschichten preisgeben wollte. Oder anders, er wollte das Tempo seiner Tour selbst bestimmen.
Wir kamen an den ersten Spot und bestiegen den Berg. Es war der ZweiBarramundiberg, in guter Sichtweite vor uns war der Magpiegooseberg, welcher fuer uns zum besteigen und Fotografieren tabu war, da dort die schon seit drei Monaten andauernde Zeremonien stattfand.

Simon erzaehlte uns nur soviel, dass es bei der Zeremonie um den Uebergang vom Jungen zum Mann ging und jedes maennliche Mitglied sollte diese Zeremonie durchleben, da es ein weiterer Schritt fuer den Reifeprozess eines Mannes ist. Leider erzaehlte er nicht mehr ueber dieses Geheimnis und er widmete sich der ersten Galerie, einer bemalten Felswand, und fing an ueber Tiere, die dort abgebildet waren zu erzaehlen. In frueheren Zeiten war das Malen nur den Jungen und Maennern vorbehalten, heutzutage jedoch haben sich einige Frauen auch schon einen grossen Namen gemacht. In den frueheren Tagen waren es hauptsaechlich Tiere und Jagdszenen die an den Fels gemalt wurden. Barramundi, Schildkroeten und Krokodile waren eine wichtige Nahrungsquelle und somit war es auch wichtig es an der Felswand zu dokumentieren.
Wenn z. B. am Abend ein Barramundifisch gegessen wurde, malt der Kuenstler am naechsten Tag den Fisch an den Felsen und kennzeichnet mit einem bestimmten Stil, dem Crosshatch Stil, welche Stuecke besonders lecker und fleischreich waren. In dieser Region werden zwei Malstile angewandt, der Exray-schraege Striche- und der CrosshatchStil-sich kreuzende, duenne Striche.

Es gibt vier Farben, mit denen gemalt wird: Weiss, Rot, Gelb und Schwarz. Das Weiss, welches im Fluss gefunden wird,hat eine Konsistenz wie Kreide und wird auch immer zur Koerperbemalung bei Zeremonien verwendet.
Rot und Gelb sind Steine, die solange mit Wasser gerieben werden bis sie sich aufloesen, und das Schwarz ist Kohle. Als Malwerkzeug verwenden sie eine bestimmte Grassorte, die die Eigenschaft hat, besonders duenne und feine Linien zu ziehen. Wenn aber zu bestimmten Zeiten kein solches Gras aufzufinden ist, kann man auch die feinen duennen Haare von Babys nehmen, allerdings sollte man die Eltern vorher fragen, sonst gibts Aerger.

Man sollte eigentlich annehmen, dass die dortigen Berge voller Kunst sind, dass egal wohin man schaut immer wieder auf Kunst stoesst, aber weit gefehlt. Man begegnet den Bildern zwar immer wieder, aber nur an bestimmten Stellen. Das heisst, die Aboriginals malen in Lagen und zwar uebereinander, worueber wir erstaunt waren. Wir gingen davon aus, dass wenn es soviel Berg gibt, dann koenne man doch ueberall hinmalen, doch da ernteten wir Unverstaendnis von unserem Guide. Es geht nicht darum irgenwohin etwas zu zeichnen, sondern an der Stelle die die Ahnen vor langer Zeit gefunden und fuer geeignet hielten. Auch wird an diesen Stellen die Traumzeit weiter gegeben, das heisst es wird die Vergangenheit weiter ueberliefert.

Weil es in der Aboriginalkultur keine Schrift gibt, mussten sie einen anderen Weg finden ihr fertiggestelltes Bild zu signieren. Sie taten es so, dass wenn das Gemaelde fertig war, legten sie ihre gespreizte Hand irgendwo auf das Bild wo noch was frei war und spruehten Farbe mit ihrem Mund auf die Hand. Drumherum blieb der Abdruck und somit bestaetigte man das man der Kuenstler ist.
Uebrigens tun es manche Kuenstler heute noch.

In einer weiteren Hoehle erfuhren wir mehr ueber die Bestattung und Aufbewahrung der Gebeine der jeweiligen Verstorbenen. Wenn das Fleisch nach 1,5 Monaten verwest war,wurden die uebrig gebliebenen Knochen mit orangener Ockerfarbe eingerieben um somit die Dingos von den Hoehlen fernzuhalten, in denen die Gebeine aufbewahrt sind. In dieser Umgebung war es uns auch nicht gestattet Bilder zu machen, aus Respeckt den dort ruhenden Ahnen.
Bei dem anschliessenden Mittagstee hatten wir eine atemberaubende Aussicht ueber die fast unberuehrte Natur. Man stellt sich dann aber auch unverzueglich die Frage, wie orientiert man sich in einer solchen Gegend, wo es viel Wald gibt aber auch wieder Teile so ausgetrocknet sind, dass man jegliche Orientierung verlieren koennte. Die ersten Menschen der Aboriginals hatten ein unglaubliches System, naemlich die "Songlines". Das heisst laienhaft erklaert haben diese Menschen jeden bedeutenden Berg, jedes Wasserloch und jeden Fluss so besungen, dass wenn du in der Lage bist das Lied deiner Familie zu singen, was du koennen musst, kannst du dich so an der Natur orientieren. Es gibt also ein unsichtbares Netz von Wegen auf dieser Insel, das fuer den weissen Mann nicht sichtbar ist.
Deswegen kam es auch, das vor 250 Jahren die Englaender sich dieses Land zu eigen machten, da die herumziehenden Aboriginals kein festes Haus hatten, nur Hoehlen in denen sie sich zu bestimmten Jahreszeiten aufhielten, wenn es die Natur zuliess. So dachten die Englaender, wenn da keine Haeuser sind, dann gehoert dieses Land auch niemanden. Und wenn da noch niemand ist, gehen wir da mal hin. So respektlos waren die Entdecker, die vorher dort ankamen, wie z.B. die Hollaender nicht. Die fanden das Land zu duerr und bewohnt von Wilden und zogen wieder ab.
Die Hollaender uebrigens sind dafuer verantwortlich dass wir Weissen "Ballander" genannt werden. Das kommt daher, da die Aboriginals keine hart gesprochenen Worte aussprechen koennen wie das H. Und so lag es fuer sie nahe das H mit dem B auszutauschen und den Rest so auszusprechen das es sich so anhoert wie Hollaender.
Eine weitere kluge Idee der Aboriginals war, dass sie jedes Lebewesen in eine Gruppe eingeteilt haben. In Yiridja und Dua. Man muss sich das etwa wie Ying und Yang vorstellen. Und da sie die Natur so sahen, haben sie sich selbst auch in diese zwei Gruppen eingeteilt, besser gesagt in ihre Nachnahmen. Das hielt sie davon ab das z. B. zwei gleiche Familiennamen heiraten konnten. Man stelle sich vor, "Heldsdoerfer" = Yiridja und "Mueller" = Dua. So koennten wir heiraten, unsere Kinder waeren Yiridja, doch unsere Enkelkinder wieder Dua. Es ist aber ein kompliziertes System, welches wir selbst nur so verstanden haben und eigentlich viel komplexer ist.
Den Tag beendeten wir mit einer Wanderung auf ein paar Huegel, von wo aus wir eine unglaubliche Sicht ueber das dortige Sumpfgebiert hatten.
Es war ein toller Tag!