4.11.-24.11.2007

...Nicole konnte es einfach nicht lassen...
Wir sind nun seit einer Woche in China und es ist spannend zu sehen wie die Menschen in diesem Teil der Erde das Leben leben. Es scheint auf den ersten Blick ein einziges Chaos zu sein, aber wenn man sich in diesem Chaos bewegt, erkennt man trotzdem eine Struktur.
Nach langem Flug und voller Vorfreude landeten wir in Hong Kong. Nach halbstuendiger Fahrt in einem viel zu kalt klimatisierten Bus kamen wir in Kowloon an. Unser Hostel befand sich in einem Hochhaus in Tsim Sha Tsui, wo es auch noch andere Hostels gab. Die Zimmer sind einfach und jeder Quadratmeter wird dort genutzt. Auch das Badezimmer ist funktionell. Das Waschbecken mit verlaengertem Wasserhahn ist gleichzeitig die Dusche. Um das Haus komplett zu machen, gab es auf jeder Etage mindestens eine Schneiderei! Da wussten wir, hier sind wir richtig!
Da die Chinesen sehr geschaeftstuechtig sind, wittern sie an jeder Ecke ein Geschaeft, sind dabei aber hoeflich und nett. Heiko haette 20 Anzuege haben koennen, wir mussten aber ablehnen.
Hong Kong ist riesig und voller Menschen. Es hat den Anschein dort gibt es kein Haus unter 10 Stockwerke. Jedenfalls haben wir keins gesehen. Trotz alledem findet man ueberall kleine gruene Inseln, wo man verweilen kann.
Nachdem wir die Stadt schon auf eigene Faust erkundet hatten, gings ab zur Sightseeing Tour, welche schon sehr touristisch anfing. Wir bekamen einen Aufkleber auf die Brust und mussten einem blauen Faehnchen hinterherlaufen. Wir fuhren nach Hong Kong Iland, mit der Tram auf

den Peak, von wo aus wir eine fantastische Aussicht auf den Hafen, Central und Kowloon hatten. Danach gab es ein Dinner auf einem Dampfer, der eineinhalb Stunden im ZickZack den Hafen abfuhr. Zum Essen wurden wir von drei Chinesinnen in englischsprachiger Musik begleitet, die mehr oder weniger gut war. Gleich danach mussten alle an Deck und die beeindruckende Lichtshow des Hong Konger Bankenviertels bewundern. Dann wieder runter, weiteressen und gleich anschliessend wurden die Gaeste auf die Tanzflaeche gescheucht, um zu YMCA zu tanzen. Im Takt versteht sich. Zu Makkarena, Ketchup-Song usw.
Beim Verlassen des Schiffes verloren wir unseren Guide und waren auf uns selbst gestellt. Ganz in der Naehe befand sich das Viertel Central, welches bei jungen Leuten sehr beliebt ist. Es liegt am Hang und man kann mit Rollbaendern hinauffahren um rechts und links in die kleinen Gassen zu gehen. Ueberall gibt es kleine Geschaefte, Staende und Bars. Man kann dort eine gute Zeit verbringen und das Nachtleben in Hong Kong erleben. An diesem Abend trafen wir auf Fred, einen Schweden, von dem wir die Zahlen 1-10 auf chinesisch lernten. Ueberhaupt gibt es viele Backpacker, welche in Hong Kong ankommen um nach China einzureisen.
Inzwischen wurde uns Hong Kong zu teuer und wir mussten uns ueberlegen wie es weitergeht. Wir entschieden uns fuer Yangshuo. Das ist suedlich von Guilin und liegt in der Guangxi Provinz. Allein diese Reise, von Hong Kong nach Yangshuo, war laenger als unser Flug, naemlich 15 Stunden insgesamt. Zuerst allerdings passierten wir die Grenze nach China in Shenzhen, wo uns schon etwas mulmig zumute war. Aber alles verlief gut. Der Beamte an der Grenze bemerkte sogar, dass Nicole Geburtstag hatte und gratulierte Ihr. Die Gepaeckkontrolle verlief folgendermassen: man schmeisst geschwind sein Gepaeck und alles was man so bei sich traegt auf das Band, um es dann auf der anderen Seite in einer Traube von Menschen wieder herauszufischen. Man bekommt das Gefuehl, das alles irgendwie planlos zugeht. Nach laengerem Aufenthalt in einer Wartehalle ging es ab in den Zug. In unserem Teil des Zuges fuhren ausschliesslich Chinesen mit, die sich gerade auf einem Firmenausflug befanden. Manche von Ihnen haben noch nie einen Europaeer gesehen, und fanden es spannend uns anzuschauen. Fotos wurden auch gemacht. Heiko erklaerte Ihnen mit Haenden und Fuessen das wir aus Deutschland kommen, doch leider ohne Erfolg. Erst als die Worte Mercedes Benz und Brumm Brumm fielen, ging Ihnen ein Licht auf. Nach diesem lustigen Hand- und Fussgespraech stiessen wir nochmal auf Nicoles Geburtstag an und gingen auf unsere Holzpritschen schlafen. Nach dieser anstrengenden Fahrt erreichten wir Guillin, von wo aus wir mit dem Bus nach Yangshuo

weiterfuhren. Im Bus lief die ganze Zeit eine chinesische Karaokeshow im Fernsehen. Nebenbei warb ein chinesischer Hostelbesitzer die Backpacker fuer sein Hostel an. Wir dachten anschauen kostet nix, weiterziehen koennen wir immernoch. Doch wir konnten fuer 5 Naechte einen ziemlich guten Preis aushandeln. Es schien ausserdem ganz nett, denn auf dem Dach gab es eine Bar und sauber war es auch. Da konnten wir noch nicht wissen, das 50 m weiter ein Steinbruch ist, in dem tagsueber fast stuendlich
gesprengt wird.
Davon sollten wir von nun an jeden Morgen geweckt werden.

Yangshuo ist eine kleine, uebersichtliche Stadt umgeben von Karstgipfeln, die aussehen wie Schlumpfzipfelmuetzen. Hier kann man die Tage gemuetlich verbringen. Wir machten eine Fahrt auf dem Li- Fluss und eine Tour mit dem Fahrrad durch die kleinen Doerfer und die Berge.
In Yangshuo trifft sich schon laengere Zeit die Klettererszene. Diese Gegend ist weltweit bekannt und beliebt bei Kletterfreunden. Ausserdem ist Suedchina mittlerweile vom Tourismus erschlossen und es ist einfach zu reisen. Guangxi ist sogar fuer Chinesen ein beliebtes Urlaubsziel.
Man trifft hier viele Backpacker und manche

von Ihnen sind hier haengengeblieben. Sie verdienen hier ihren Lebensunterhalt mit Englisch- oder (wenn mans kann) Kletterunterricht. Uns wurde auch schon angeboten Unterricht zu geben, kleinen Kindern die gerade anfangen Englisch zu lernen. Sicherlich waere das eine tolle Erfahrung, aber so englischsicher fuehlen wir uns dann doch noch nicht ;-).
Ueberhaupt sind die Chinesen sehr interessiert an uns. Sie sprechen uns einfach an und wollen wissen woher wir kommen, was wir hier machen und wie uns China gefaellt. Einmal beim Abendessen haben wir ein chinesisches Ehepaar kennengelernt, die hier Ihre Ferien verbringen. Er war Soldat und Sie Journalistin. Es war richtig schoen. Sie waren so unkompliziert. Mittags hatten Sie Schnecken im Fluss gesammelt und haben uns eingeladen sie mit Ihnen zu essen. Sie wurden mit Gehaeuse im Wok erhitzt und dann musste man mit einem Zahnstocher das Fleisch herausziehen. Es schmeckt sehr lecker,

fast wie Muscheln.
Die Backpacker die mit uns ankamen, sind Kletterer und wollen mit uns morgen einen Zipfelmuetzenberg besteigen. Tom und Bryany kommen aus Nottingham\England. Mit Ihnen waren wir schon auf einer Mottoparty (jeder musste einen Schnurrbart tragen), wo viele Europaeer waren. Aber auch junge Chinesen, denn sie wollen Ihr Englisch ueben.
Hier spielt sich das Leben, wie fast ueberall, im Freien ab. Die Menschen arbeiten und verbringen Ihre freie Zeit draussen. Im Moment ist hier eigentlich Winter, es herrschen aber milde Temperaturen und die Regenzeit ist vorbei. Das heisst auch die Moskito\ Malariazeit ist vorbei. Und sie Saison hat begonnen. Es tummeln sich also eine Menge Leute auf der Strasse, was den Verkehr chaotisch werden laesst. Fuer alle Besucher ist es unfassbar, das hier nicht mindestens alle 5 Minuten ein Unfall passiert. Aber die Einheimischen sind gelassen und nehmens mit Humor.

Eine Menge Touris kommen jeden Tag mit dem Boot von Guilin und werden dann pausenlos gefragt ob sie denn nicht Bambooboat fahren wollen. Uns lassen sie Gottseidank in Ruhe, sie kennen uns schon. Denn Heiko macht so seinen Spass mit Ihnen. Mittlerweile werden wir schon von weitem begruesst.
Dieses chinesische Maedchen war ganz vernarrt in Heiko.