Australien 5
Ein Tag im Arnhemland
Wir buchten eine Tour zu den Aboriginals auf einen Mittwoch, doch aufgrund einer Zeremonie wurde uns am Dienstag mitgeteilt, dass es nicht moeglich sei, die Tour zu unternehmen und uns wurde der kommende Freitag vorgeschlagen. Nach einigem Hin und Her sagten wir fuer diesen Tag zu und waren schon gespannt was uns erwarten wuerde. Am Freitag wurden wir um 8.00 Uhr mit einem 4WD abgeholt und wir fuhren mit drei anderen Australiern ueber geteerte, aber auch Gravelroad ins Arnhemlamd.
Das Arnhemland ist ein grosses Gebiet im Norden von Australien, welches zu fast 100 % von den Aboriginals verwaltet wird, was eine Ausnahme in diesem Land ist, denn das meiste Land hat sich der weisse Mann zueigen gemacht. Da es fuer die ersten weissen Siedler aber fast unmoeglich war in dieses Gebiet einzudringen, weil es fast ausschliesslich aus Busch- und Sumpfgebiet bestand, entschied die Regierung zwischen 1960 und 1970 es den Ureinwohnern zu ueberlassen und somit erhielten sie eine noch fast urspruengliche Lebensweise.
Als wir in Oenpelli, so heisst die erste Siedlung, ankamen, war noch nicht sicher welcher Aborigini unser Guide sein wuerde, da ja in den letzten Tagen eine Zeremonie stattfand und viele beizuwohnen hatten. Nachdem wir eine halbe Stunde in der ansaessigen Kunstgalerie verbrachten und uns die Gemaelde anschauten, fand sich ein Guide, sein Name war Simon.
Er war sehr zurueckhaltend und auch geheimnisvoll womit ich, Heiko, zu Anfang auf die Nase fiel, da ich unglaublich viel fragte, er aber nicht soviel von den Geschichten preisgeben wollte. Oder anders, er wollte das Tempo seiner Tour selbst bestimmen.
Wir kamen an den ersten Spot und bestiegen den Berg. Es war der ZweiBarramundiberg, in guter Sichtweite vor uns war der Magpiegooseberg, welcher fuer uns zum besteigen und Fotografieren tabu war, da dort die schon seit drei Monaten andauernde Zeremonien stattfand.
Simon erzaehlte uns nur soviel, dass es bei der Zeremonie um den Uebergang vom Jungen zum Mann ging und jedes maennliche Mitglied sollte diese Zeremonie durchleben, da es ein weiterer Schritt fuer den Reifeprozess eines Mannes ist. Leider erzaehlte er nicht mehr ueber dieses Geheimnis und er widmete sich der ersten Galerie, einer bemalten Felswand, und fing an ueber Tiere, die dort abgebildet waren zu erzaehlen. In frueheren Zeiten war das Malen nur den Jungen und Maennern vorbehalten, heutzutage jedoch haben sich einige Frauen auch schon einen grossen Namen gemacht. In den frueheren Tagen waren es hauptsaechlich Tiere und Jagdszenen die an den Fels gemalt wurden. Barramundi, Schildkroeten und Krokodile waren eine wichtige Nahrungsquelle und somit war es auch wichtig es an der Felswand zu dokumentieren.
Wenn z. B. am Abend ein Barramundifisch gegessen wurde, malt der Kuenstler am naechsten Tag den Fisch an den Felsen und kennzeichnet mit einem bestimmten Stil, dem Crosshatch Stil, welche Stuecke besonders lecker und fleischreich waren. In dieser Region werden zwei Malstile angewandt, der Exray-schraege Striche- und der CrosshatchStil-sich kreuzende, duenne Striche.
Es gibt vier Farben, mit denen gemalt wird: Weiss, Rot, Gelb und Schwarz. Das Weiss, welches im Fluss gefunden wird,hat eine Konsistenz wie Kreide und wird auch immer zur Koerperbemalung bei Zeremonien verwendet.
Rot und Gelb sind Steine, die solange mit Wasser gerieben werden bis sie sich aufloesen, und das Schwarz ist Kohle. Als Malwerkzeug verwenden sie eine bestimmte Grassorte, die die Eigenschaft hat, besonders duenne und feine Linien zu ziehen. Wenn aber zu bestimmten Zeiten kein solches Gras aufzufinden ist, kann man auch die feinen duennen Haare von Babys nehmen, allerdings sollte man die Eltern vorher fragen, sonst gibts Aerger.
Man sollte eigentlich annehmen, dass die dortigen Berge voller Kunst sind, dass egal wohin man schaut immer wieder auf Kunst stoesst, aber weit gefehlt. Man begegnet den Bildern zwar immer wieder, aber nur an bestimmten Stellen. Das heisst, die Aboriginals malen in Lagen und zwar uebereinander, worueber wir erstaunt waren. Wir gingen davon aus, dass wenn es soviel Berg gibt, dann koenne man doch ueberall hinmalen, doch da ernteten wir Unverstaendnis von unserem Guide. Es geht nicht darum irgenwohin etwas zu zeichnen, sondern an der Stelle die die Ahnen vor langer Zeit gefunden und fuer geeignet hielten. Auch wird an diesen Stellen die Traumzeit weiter gegeben, das heisst es wird die Vergangenheit weiter ueberliefert.
Weil es in der Aboriginalkultur keine Schrift gibt, mussten sie einen anderen Weg finden ihr fertiggestelltes Bild zu signieren. Sie taten es so, dass wenn das Gemaelde fertig war, legten sie ihre gespreizte Hand irgendwo auf das Bild wo noch was frei war und spruehten Farbe mit ihrem Mund auf die Hand. Drumherum blieb der Abdruck und somit bestaetigte man das man der Kuenstler ist.
Uebrigens tun es manche Kuenstler heute noch.
In einer weiteren Hoehle erfuhren wir mehr ueber die Bestattung und Aufbewahrung der Gebeine der jeweiligen Verstorbenen. Wenn das Fleisch nach 1,5 Monaten verwest war,wurden die uebrig gebliebenen Knochen mit orangener Ockerfarbe eingerieben um somit die Dingos von den Hoehlen fernzuhalten, in denen die Gebeine aufbewahrt sind. In dieser Umgebung war es uns auch nicht gestattet Bilder zu machen, aus Respeckt den dort ruhenden Ahnen.
Bei dem anschliessenden Mittagstee hatten wir eine atemberaubende Aussicht ueber die fast unberuehrte Natur. Man stellt sich dann aber auch unverzueglich die Frage, wie orientiert man sich in einer solchen Gegend, wo es viel Wald gibt aber auch wieder Teile so ausgetrocknet sind, dass man jegliche Orientierung verlieren koennte. Die ersten Menschen der Aboriginals hatten ein unglaubliches System, naemlich
Deswegen kam es auch, das vor 250 Jahren die Englaender sich dieses Land zu eigen machten, da die herumziehenden Aboriginals kein festes Haus hatten, nur Hoehlen in denen sie sich zu bestimmten Jahreszeiten aufhielten, wenn es die Natur zuliess. So dachten die Englaender, wenn da keine Haeuser sind, dann gehoert dieses Land auch niemanden. Und wenn da noch niemand ist, gehen wir da mal hin. So respektlos waren die Entdecker, die vorher dort ankamen, wie z.B. die Hollaender nicht. Die fanden das Land zu duerr und bewohnt von Wilden und zogen wieder ab.
Die Hollaender uebrigens sind dafuer verantwortlich dass wir Weissen "Ballander" genannt werden. Das kommt daher, da die Aboriginals keine hart gesprochenen Worte aussprechen koennen wie das H. Und so lag es fuer sie nahe das H mit dem B auszutauschen und den Rest so auszusprechen das es sich so anhoert wie Hollaender.
Eine weitere kluge Idee der Aboriginals war, dass sie jedes Lebewesen in eine Gruppe eingeteilt haben. In Yiridja und Dua. Man muss sich das etwa wie Ying und Yang vorstellen. Und da sie die Natur so sahen, haben sie sich selbst auch in diese zwei Gruppen eingeteilt, besser gesagt in ihre Nachnahmen. Das hielt sie davon ab das z. B. zwei gleiche Familiennamen heiraten konnten. Man stelle sich vor, "Heldsdoerfer" = Yiridja und "Mueller" = Dua. So koennten wir heiraten, unsere Kinder waeren Yiridja, doch unsere Enkelkinder wieder Dua. Es ist aber ein kompliziertes System, welches wir selbst nur so verstanden haben und eigentlich viel komplexer ist.
Den Tag beendeten wir mit einer Wanderung auf ein paar Huegel, von wo aus wir eine unglaubliche Sicht ueber das dortige Sumpfgebiert hatten.
Es war ein toller Tag!

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