Mittwoch, 22. Oktober 2008

Peru 2

Unser Inkatrail

Puno ist zwar ganz nett aber eigentlich wollen wir mal weiter. Jeden Tag gehen wir wieder zum Busbahnhof und fragen wann denn wieder ein Bus nach Cusco faehrt. Nach endlich drei Tagen sollen sie wieder fahren und wir nehmen den erstbesten. Nicole wird langsam nervoes, denn es sind nur noch sechs Tage bis zu ihrem Abflug von Lima nach Sao Paulo. Und wir wissen noch nicht ob auch auf dieser Strecke Blockeos sind.
Also steigen wir in unseren Bus am naechtsen Morgen und koennen es garnicht glauben das er wirklich abfaehrt. Endlich!
Doch leider kommen wir nicht sehr weit. Die Fahrt sollte eigentlich 7-8 Syunden dauern und wir stoppen aber nach 4 Stunden. Es gibt eine Blockade. Vor der Blockade stehen schon andere Busse und die Busfahrer verhandeln mit den Streikenden wann sie denn passieren koennten. Heute abend um sieben. Es ist gerade mal ein Uhr. Hmm. Aber es ist nichts zu machen. Wir muessen warten. Gluecklicherweise laesst man uns aber doch auf einmal um fuenf durch. Wir fahren einen Kilometer und kommen zur naechsten Blockade. Die Leute sagen vor heute Nacht ist nichts zu machen. Wieder warten. Aber man laesst uns nach zwei Stunden durch. Leider bringt uns auch das nicht viel. Nach ein paar Kilometern ist wieder eine Blockade. Die Groesste. Und hier sind die Menschen richtig aggressiv und lassen garnicht mit sich verhandeln. Sie schmeissen mit Steinen und beschmieren unseren Bus. Vor morgen frueh kommen wir nicht durch. Dann kursieren Geruechte das wir vielleicht heute nacht um zwoelf weiter koennen, andere sagen das sie nicht wissen wie lange die Leute hier streiken wollen. Vielleicht dauert es auch noch ein paar Tage. Ein Typ im Bus hat Kontakte nach Lima und organisiert einen Kleinbus fuer seine Reisegruppe. Sie koennen auf Umwegen nach Cusco kommen, aber die Riesenreisebusse eben nicht.
Also heisst es im Bus uebernachten. Das Gute ist wir lernten auf der Fahrt eine Deutsche kennen. Sie kommt aus Hannover. Wenn das mal kein Zeichen ist. Wir haben ihr gleich mal das Hannoverlied vorgesungen und die findet es natuerlich grossartig. Als es am naechsten Morgen daemmert, sehen wir Leute mit ihrem Gepaeck von der anderen Blockadenseite ruebermarschieren. Sie wollen die Busse tauschen. Als es immer heller wird, haben die meisten ihr Gepaeck auf dem Ruecken und machen sich auf zur naechsten Stadt, um vielleicht ein Minibus nach Cusco zu ordern. Die Strassensperre ist riesig. Ueberall liegen riesige Steine auf der Fahrbahn und Feuer gibt es auch. Als es sieben Uhr morgens ist, sieht es aus wie auf einer Voelkerwanderung. Die Leute aus Lima wollen alle nach Puno und nach La pAz und wir wollen nach Cusco. Hunderte von Menschen sind auf der Strasse. Die Busse sind leer. Wir fragen warum sie streiken und es gibt viele Gruende. Zum einen werden in Peru immer mehr amerikanische Produkte verkauft und auch noch so billig, das die einheimische Bevoelkerung keine Chance mehr hat ihre Sachen zu verkaufen. Ausserdem ist die jetzige Regierung wohl auch ziemlich korrupt. Das ist das was wir hoeren.
Wir laufen mit unseren Rucksaecke in die naechste Stadt, das waren schon ein paar Kilometer, und fragen uns zum Busbahnhof durch. Es gibt natuerlich keine Busse. Aber im naechsten Dorf. Also ordern wir ein kleines Minituktuk (die gibts hier auch, nicht nur in Asien) und wollten bis zum naechsten Dorf fahren. Der TukTukfahrer muss mehrmals einen anderen Weg suchen, denn die Strassen sind alle mit Steinen blockiert. Also wieder Rucksaecke auf und los. Bis zum naeschten Dorf. Zwischendurch ueberholen uns Laster, voll mit Menschen, wir sehen auch welche aus unserem Bus. Sie brettern einfach ueber die Steine oder fahren halsbrecherische Schlenker. Im naechsten Dorf gibts wieder kein Bus. Man erzaehlt uns das bis zum Dorf soundso die Strassen blockiert sind. Danach ist freie Bahn. Bis dahin ist es aber noch ganz schoen weit. Also organisieren wir wieder ein TukTuk und wollten bis zum naechsten Dorf fahren. Fuer die Einheimischen ist das hier ein Bombengeschaeft. Sie kassieren dreimal soviel wie sonst, und es gibt ja haufenweise Leute die weiterwollen. Unser TukTuk hat leider keine Bremsen deswegen werden wir oben auf einem Berg rausgelassen und die restlichen Kilometer muessen wir laufen. Bow, war das anstrengend. Auf dem Weg haelt ein Viehlaster und nimmt uns ein Stueck des Weges mit. Dann wieder laufen. Endlich im Dorf angekommen fragen wir nach einem Autotaxi und es gibt tatsaechlich grad eins. Wir fahren mit 9 Leuten und Gepaeck eine Alternativstrecke bis zur letzten Station der Blockeos. Unsere Mitfahrer sind Leute aus Cusco, die schon seit zwei Naechten in der Blockade feststeckten. Wir kamen an wunderschoenen Lagunen vorbei, und es war echt eine schoene Strecke. Insgesamt waren es 20 km. Spaeter hoerten wir das viele diese Strecke mit ihren Rucksaeckern komplett laufen mussten. In der Hitze und kein Taxi kam vorbei. Wir hatten echt Glueck. Der Taxifahrer laesst uns an einem Fluss mit einem Haeschen raus, und sagt, von hier fahren Minibusse nach Cusco. Und wie durch ein Wunder sassen wir tatsaechlich keine fuenf Minuten spaeter in einem Minibus nach Cusco. Wir hatten echt Schwein, nach 28 Stunden Fahrt und Wandern erreichten wir Cusco.
Da wir jetzt drei Tage in Puno festsassen und auch noch einen ganzen Tag auf dem Weg nach Cusco verloren haben, ist jetzt leider keine Zeit mehr den Inkatrail oder eine ALternativroute zu laufen. Was wir ja eigentlich machen wollten. Also mussten wir nun die schnellere und teurere Variante machen. Von Cusco fahren Busse ins Urumbambatal. Von da aus gings nach Ollantaybamba. Und dann mit dem teuren Zug bis nach Aquas Caliente. Diese Fahrt geht durch das heilige Tal und es ist herrlich. Die hohen Berge, Wasserfaelle und Fluesse. Es ist total schoen. Als wir in Aquas Caliente ankommen, kaufen wir gleichmal ein Eintrittsticket fuer den Machu Picchu (Quechua: alter Berg), denn sie lassen am Tag nur begrenzt Leute rein.
Am naechsten Tag hiess es dann um halb fuenf aufstehen und mit dem Bus hoch nach Machu Picchu. Wir sind einer der ersten, die die Anlage betreten, und wir hatten fuer ganz wenige Minuten die Aussicht auf Machu Picchu ganz fuer uns allein.
Man weiss leider immernoch nicht wofuer Machu Picchu eigentlich war. War es Zufluchtstaette als die Spanier kamen? Andere behaupten es war eine heilige Staette fuer Zeremonien und andere sagen die Anlage war nie ganz fertig gebaut und auch mitten in der Bauphase einfach verlassen worden. Sie waere jedoch autark gewesen, denn die Terrassen waeren zur landwirtschaftlichen Bebauung gedacht. Die Anlage ist vom Tal aus nicht einsehbar, aber von oben kann man das ganze Tal ueberblicken. Es ist also eine sehr gute und auch strategische Lage.
Da ist der Sonnentempel, in der Wissenschaftler das ganze Jahr damit beschaeftigt waren, den Verlauf der Sonne zu studieren. Ausserdem waren da noch der Koenigstempel und die Zeremoniebrunnen sowie den Wohn- und Handwerkerkomplex.
Hinter der Anlage schaut man auf einen Berg, den Wayna Picchu, auf dem der Mondtempel thront. Der Aufstieg ist relativ steil aber bestimmt sehr anstrengend aber man wird mit einer super Aussicht belohnt. Die Voegel fliegen um einen rum und Machu Picchu sieht ganz klein von hier oben aus.
Den Nachmittag verbrachten wir einfach liegend im Gras und alles auf uns wirkend in der Sonne.
Der eigentliche Abstieg ins Tal liess unsere Beinmuskeln zittern. Diesmal auch Heikos.

Und nun haben wir solchen Muskelkater das wir aufstoehnen wenn wir Treppen steigen oder runterlaufen muessen. Kostenlos dazu, haben wir Floehe, diesmal auch Heiko.Denn hier in Cusco laufen so viele Flotaxen herum, dass es leicht sich diese bekloppten Dinger zu holen.

Peru 1

Puno und die Uros

Puno, das ist eine Stadt am Titicacasee auf peruanischer Seite. Eigentlich wollten wir durchfahren bis nach Cusco, doch die Campesinos haben die Strassen fuer drei Tage gesperrt und nun sitzen wir hier fest.
Um die Tage sinnvoll zu nutzen, sind wir zu den Uros gefahren. Das ist ein Volk, das auf dem Titicacasee, auf schwimmenden Inseln lebt. Es ist gnadenlos von Touristen ueberlaufen, aber es ist trotzdem einmalig.
Frueher haben sie auf ihren Schilfbooten kleine Haeuschen gehabt. Dann haben sie aus Erde eine Art Fundament gebastelt und in vielen, vielen Schichten totara Schilf (das hier am See zuhauf waechst), uebereinander gelagert.Da das Schilf und die Erde von unten verrotten, muss man von oben immer nachlegen. Deshalb ist der Boden weich und federnd. Die Uros sind nur ein kleiner Stamm, reinbluetige gibt es nicht mehr, sie haben sich durch Heiraten mit den Ayamaras gemischt. Auf ihren schwimmenden Inseln leben sie schon seit Jahrhunderten, als sie vor den kriegerischen Collas (die auch hier in der Naehe gelebt haben) und den Inkas gefluchtet sind.
Alles bei den Uros dreht sich um Schilf, sie bauen ihre Haeuser und ihre Boote damit und verwenden es auch um Kunsthandwerk herzustellen.
Nicole unterhaelt sich mit einem der Inselbewohner, sie fragt ob sie sich alle kennen auch von den Nachbarinseln. Ja, man kennt sich. Man ist eine Gemeinde und am Ende jedes Monats ist eine Versammlung in der man Probleme diskutiert und sich trifft um zu erzaehlen. Was es denn fuer Probleme gaebe zur Zeit? Im Moment macht eine Familie Stress. Sie will eine Insel durchteilen, denn sie verstehen sich nicht mehr mit den anderen. Das ist ein grosses Problem. Er hofft das sich die Situation wieder beruhigt. Einer seiner Toechter faehrt mit dem Boot vor auf die andere Insel. Das kleine Maedchen in der Mitte heisst Katrin-Nicole. Hier ein Gruss an Nicole`s Schwester!

Dienstag, 21. Oktober 2008

Bolivien 5

Die Inkas, der Titicacasee und die Isla del Sol

Von unserem Hostal in La Paz fahren wir mit einem Collectivo zum Cementerio, dort sollen die Busse nach Copacabana abfahren. Als wir aussteigen wird uns auch gleich ein Busticket angboten. Das Panorama auf der Fahrt nach Copacabana ist eher karg und trocken. Am Horizont sieht man die schneebedeckten 6000er. Mitten in der Pampa kommt uns eine Gruppe Campesinos entgegen. Sie haben Banner und rufen Sprechchoere. Angeblich hat sich Evo am selbigen Tag mit der Opposition auf eine Verfassung geeinigt, und das muss natuerlich laustark verkuendet und auch betrunken werden. Kurz vor Copacabana muessen wir aussteigen und mit der Faehre uebersetzen. Dann gehts weiter nach Copacabana.
Der Titicacasee soll der hoechste schiffbare See sein, er liegt auf 3820m und ist mit seinem saphirblauen Wasser einfach herrlich anzuschauen, inmitten der kargen Berge des Altiplano. Um den Titicacasee liegen die traditionellen Ayamara Doerfer, die Frauen dort haben etwas andere Roecke und Huete als die Quechua Frauen. Das, und die sagenumwobene Geschichte der Inkas zogen uns in ihren Bann.
Als wir abends in Copacabana ankamen, sahen wir gerade noch den blutroten Sonnenuntergang der den See in eine mystische Stimmung versetzte. Ein Junge kam auf uns zu, ob wir schon eine Unterkunft haetten. "Nein, noch nicht." Wir gehen mit ihm, und bekommen eine billige Unterkunft bei seiner Familie, und ein seit langem richtig gutem Bett. Wir schlafen wie die Babys. Das war auch gut so, denn am naechsten Morgen wollten wir 18km von Copacabana nach Yampupata wandern. Und das war wirklich anstrendend, in der Hoehe hoch und wieder runter, aber wir wurden mit tollen Aussichten und vielen kleinen Doerfern an der Wegstrecke belohnt. Die Leute arbeiteten auf den Feldern und hielten inne fuer einen kleinen Plausch mit uns. Die Kinder spielten mit den Hunden und den Schweinen. Oder sie geleiteten ihre Lamaherde auf den Weg nach Hause.
In Yampupata setzten wir dann mit einem kleinen Fischerboot auf die Isla del Sol ueber. Die Insel soll ja der legendaere Ort sein wo die Inkas erschaffen worden und nach der Inkamythologie auch die Sonne. Auf der kleineren Insel, Isla del Luna, sollen einst die Jungfrauen der Sonne gewohnt haben.
Auf der Isla del Sol angekommen muessen wir dann die Inkatreppe hochlaufen, die mir, Nicole, den Rest gegeben hat. Endlich oben angekommen wollte ich nur noch essen und mich ausruhen. Wir assen Trucha, das ist der einheimische Fisch aus dem See. Eine Art Forelle und schauten uns den Sonnenuntergang an.
Am naechsten Tag sind wir dann vom Suedende ans Nordende gelaufen, um uns die Inkaruinen anzusehen, die Staette des heiligen Felsens, da wo die Schoepfungslegende ihren Ursprung hat. Auf dem Rueckweg zur Faehranlegestelle kommen wir wieder an kleinen Doerfern vorbei. Die Dorfbeowhner treiben ihre Esel vor sich her und wir muessen aufpassen nicht in die Esel-, Lama- oder Schafscheisse zu treten.
Nun sind es nur noch 3 Stunden bis zu unserer Abreise nach Peru, und unsere Faehre kommt gerade 20 Minuten vor Abfahrt wieder in Copacabana an. Am Bus erklaert man uns das es heute keinen Bus nach Cusco gaebe, nur bis nach Puno. Auch die Campesinos in Peru demonstrieren gegen ihre Kreolenregierung. Wir hoffen das wir morgen weiter koennen, denn Machu Pichu wartet auf uns.
Bolivien ist wohl das urspruenglichste Land mit seiner fast 60% indogenen Bevoelkerung. Man bekommt hier einen tollen Einblick wie es vielleicht mal zu Inkaszeiten war.
Ein absolutes Highlight ist die Webkunst. In ganz Suedamerika wird diese Kunst verkauft, aber sie kommt aus Bolivien und Peru. Diese Kunst war fast ausgestorben, doch die Campesinos haben sie wieder aufleben lassen und diese Kunst muss man honorieren. Leider gibt es viele Touristen die echte Alpacawolle fuer einen Spottpreis haben wollen. Das fuehrt dazu das manche Firmen in China produzieren lassen und sie dann den Touristen als echt Alpacawolle verkaufen. Die Touristen haben dann das Gefuehl ein echtes Schnaeppchen gemacht zu haben. Das widerum bedeutet das ein Handwerk den Boden verliert und viele Menschen ihren Beruf und ihre Nahrungsgrundlage fuer ihre Familie.
Was uns hier klargeworden ist: wir muessen unser Konsumverhalten aendern! Echte Handwerkskunst und Handarbeit hat ihren Preis und der muss bezahlt werden. Wenn man bedenkt das manche Familien 500 Bolvianos verdienen, das sind 50 Euro im Monat!
Viele schimpfen auf China weil sie solche Umweltverschmutzer sind, aber wer laesst dort produzieren, wer will alles schoen billig? Doch wir, die westliche Welt. Die die das Geld haben. Und wenn es eines Tages zu Umweltkatastrophen kommt und wir Wassermangel haben, dann sind die ersten Menschen die darunter leiden werden, die armen Menschen, die die in den Bergen leben. Die die ihr Wasser von den Baechen bekommen, weil sie kein Geld haben sich eine Wasserleitung zu legen. Wir jedoch werden uns einfach Wasser einkaufen, dabei haben wir mit unseren industriellen Machenschaften erst alles in die Wege geleitet.
Eins ist klar: wir muessen umdenken. Wir leben auf Kosten anderer!

Nach nun 49 Tagen sagen wir wehmuetig "Auf Wiedersehen Bolivien"

Kosten, mit allem: Hinflug von Chile, Flug von Santa Cruz nach Sucre, 3 woechiger Sprachkurs mit einer etwas elitaeren Unterkunft, Essen und alles was man zum Leben so braucht haben wir 25 Euro pro Tag/ pro Person ausgegeben.

Freitag, 17. Oktober 2008

Bolivien 4

Sucre, Tarabuco, La Paz und Coroico

Als wir in Sucre wieder ankommen, werden wir herzlichst empfangen, von Ingrid, Olga, Rufi und Elsa aus dem Kulturinstitut, die das Cafe Berlin fuehren. Dann sind da noch die zwei Maedels aus Argentinien die Ihren Schmuck auf der Plaza verkaufen. Schoen, wenn man nach so kurzer Zeit einen sozialen Kreis hat. direkt vor unserer Unterkunft im Goetheinstitut
Bei Olga gabs jeden Mittag Schlampekuchen (Schlammkuchen) und wie sie sich immer gefreut hat wenn Heikol kam! Heikol und Nicol, das fand sie richtig witzig.
In Sucre sollte ja eigentlich unser Rueckflug nach Santa Cruz gehen, den wir aber kurzerhand nicht wahrnahmen, denn in Santa Cruz sind schon wieder Blockaden und Nicole hat sich entschieden nun doch ihren letzten Flug nach Hause zu nehmen. Und vorher will sie noch den Machu Pichu sehen, das heisst wir haben nicht mehr allzuviel Zeit. Bei den Entfernungen, und stundenlangen Busreisen, muss man sich fruehzeitig entscheiden in welche Richtung man faehrt. Olga und Ingrid
Bevor wir aber Richtung La Paz aufbrechen, wollten wir nochmal nach Tarabuco. Das ist en kleines Dorf, mitten in den Bergen, in der Naehe von Sucre. Die Dorfbewohner der umliegenden Doerfer um Tarabuco, kommen alle am Sonntag, um Waren zu tauschen, zu kaufen und um sich einfach das Neueste zu erzaehlen. Wir fahren schon am Samstag nach Tarabuco, um mal zu sehen wie das Dorf ohne Markt aussieht und was da so los ist. Aber gerade an diesem Samstag ist eine Entrada, zu Ehren des Dorfheiligen. Fast alle Leute aus den umliegenden Doerfern tragen noch ihre traditionelle Tracht, was einfach schoen anzusehen ist.
Von Sucre wollten wir dann eigentlich nach Cochabamba, doch leider gabs keine freien Plaetze mehr und direkt nach La Paz auch nicht. Wir entschieden uns kurzerhand um und fuhren nach Oururo. Die erstmal 10 stuendige Busfahrt brachte uns morgens um fuenf nach Oururo und dann stiegen wir in den naechsten Bus nach La Paz, nochmal dreieinhalb Stunden. Wir waren ganz schoen im Eimer, als wir dann endlich im Hostal ankamen. Fuer den naechsten Tag buchten wir eine Tour, wir wollten mit dem Fahrrad die Todesstrasse runterfahren. Am naechsten Morgen um 7.00 Uhr gings los. Wir starteten in 4700m Hoehe und fuhren die mal gefaehrlichste Strasse der Welt runter. Die Strasse ist so schmal das ein Auto problemlos fahren kann, aber der Fahrer muss trotzdem aufpassen auf Schnee und Naesse. Und wenn dann noch ein anderes Auto von vorne kommt, und man es nicht rechtzeitig gesehen hat, muss man rueckwaerts wieder zurueckfahren, in eine kleine Ausbuchtung. Bei diesen Mannoevern sind schon viele Autos abgestuerzt. Im Jahr bis zu 200 Tote. Mittlerweile haben sie eine andere Umgehungsstrasse fuer den Verkehr La Paz-Coroico gebaut, und nur noch die Tourunternehmen mit den Fahrradfahrern duerfen daruntersausen. Leider sind auch beim Fahrradfahren Leute die Schluchten runtergestuerzt, weil sie einfach zu schnell waren, es nass war usw.
Wir haben diese Tour echt genossen. Es war toll endlich mal wieder auf einem Fahrrad zu sitzen, und man merkte wie es immer waermer wurde, um so naeher man nach Coroico, den Yungas kam. In den Yungas wird Coca angebaut. Todesstrasse die Yungas
In Coroico haben wir in einer kleinen Lodge am Waldrand uebernachtet, von wo man einen fantastischen Blick ueber die Yungas hatte und wunderschoene Wege wandern kann, wenn man den Weg findet.
Leider hatte es auch geregnet, aber so ist es nun mal im Regenwald. Aber halb so schlimm, es war ja warm. Wieder in La Paz angekommen, fuhren wir nach El ALto, wo die Ayamara leben. Evo Moralez ist auch ein Ayamara. Uebrigens sind ueberall im Lande, an den Haeusern, Sprueche aufgemalt, die zeigen wie sehr sie Ihren Praesidenten wollen, hinter ihm stehen und unterstuetzen. Natuerlich nur im Hochland. junger Coca
Wir gehen ueber den Markt in El Alto, halten hier und da an und fragen: "Was ist das?" oder "Fuer was benutzt ihr es..?" Die Ayamara sind ganz nette Leute, finden es amuesant was wir alles wissen wollen. Sie fragen, woher wir sind.. "Ah Alemania, que bien." Es ist so toll sich mit Ihnen unterhalten zu koennen. Nicole verschenkt noch ein Kuscheltier und Luftballons. Die Leute lieben uns. Als wir so weitergehen, startet gerade eine Demonstration. Wir fragen gegen was oder wen demonstriert wird. "Gegen Santa Cruz, die Criollos (Kreolen) und ueberhaupt..." Sie winken und fordern uns auf mit ihnen mitzugehen. Demonstration Spontan gehen wir mit, und werden auch gleichmal fotografiert und werden wahrscheinlich in der Morgenzeitung von Bolivien zu sehen sein. Die Ayamara findens witzig, wir auch, aber dann fliegen Steine und wir hauen ab. Gottseidank ist nicht passiert.
(Exkurs: die indogene Bevoelkerung in den Anden heissen Campesinos, Criollos oder Kreolen sind die in Lateinamerika geborenen Spanier und die Cholos sind die Spanisch-Indogenen Mischlinge.)

Morgen werden wir Richtung Copacabana und Isla del Sol fahren und dann heisst es Abschied nehmen von diesem tollen Land. typische Kleidung der Ayamara FrauenBolivien ist eine Reise wert!

Samstag, 4. Oktober 2008

Bolivien 3

Salar de Uyuni und Potosi

Von Sucre nach Uyuni sind es 12 Stunden mit einem Zwischenstopp in Potosi. Ein alter ausrangierter Bus bringt uns auf einer Schotterpiste ueber die Anden nach Uyuni. Schon Sucre liegt auf fast 2700m. Der Salzsee von Uyuni liegt auf 3700m, es ist der groesste Salzsee der Erde.
Leila hat im Vorfeld an die 10 Agenturen abgeklappert, Jeeps getestet und die besten Konditionen ausgehandelt. Als wir ankommen ist sogar diese Uebernachtung mit im Preis inbegriffen. 55 Euro fuer drei Uebernachtungen, drei Tage rumfahren im Jeep und Verpflegung, pro Person.
Am naechsten Tag geht es los. Es sollten noch zwei Australier mitfahren, und wir haben uns vorher geschworen nur Spanisch mit Ihnen zu reden. Als wir dann um halb zehn zum Treffpunkt kommen, wird einfach alles mal ueber den Haufen geworfen. Es hatte sich noch eine Gruppe Basken angemeldet. Und da die Herrschaften aelter sind, haben sie unseren Guide und unseren Jeep bekommen. Dann hiess es wir sollten einen anderen Jeep bekommen. Und die Australier waren auf dem Weg von La Paz nach Uyuni steckengeblieben. Jetzt sollten drei Neuseelaender mitkommen. Als die drei Jungs ankommen kommt auch schon unser Jeep um die Ecke gefahren. Nun muss aber noch getankt und der Jeep gewechselt werden. Naja, dann sehen wir unseren "neuen" Jeep. Eine alte Klapperkiste, wo die Reifen abgefahren sind, die Sitze sind innen bis aufs Futter freigelegt, das man sich die Haende beim Einsteigen aufritzt. Den Tankdeckel gibts nicht mehr, der Tank ist mit einer Plastiktuete verstopft. Die Kroenung aber war, das die Bremsen nicht funktionierten. Als dann noch eine Koechin mitwollte, die wir eigentlich nicht wollten, weil wir so mehr Platz haetten im Jeep, war das Mass voll. Die Jungs wollten den Trip absagen und Leila hat sich mit den Tourguides angelegt. Da sie gut Spanisch spricht und ihnen auf diplomatische Art und Weise beigebracht hat, das wir einen anderen Jeep wollen, das wir keine Koechin mitgebucht haben, weil wir mehr Platz haben wollten und wie sowas moeglich sei in diesem tollen Land. Dass sass! Da ist der Stolz der Bolvianer hervorgekommen und schwups hatten wir einen anderen Jeep und los gings. Am ersten Tag sind wir auf den Salzsee gefahren. Die drei Jungs kamen nicht alle aus Neuseeland. Nur Simon. Alex und Carl sind aus England. Simon sprach gar kein Spanisch, sodass unser Vorsatz ziemlich schnell ueber Bord war und wir Englisch sprechen mussten. Auf dem Salzsee haben wir dann tolle Fotosessions gemacht. Da der Salzsee riesig ist und der Uebergang von weiss zu blau so sanft ist, hat man keinen Vergleich und so entstehen diese Bilder.
Mitten im Salzsee ist eine Insel mit tausenden von Kakteen. Die Kakteen wachsen 1cm pro Jahr. Das Holz das unter dem Fleisch der Kakteen ist verwendet man fuer Tueren und Muelleimer u.v.m. Es hat ganz viele Loecher, da wo die Stacheln drin waren.
Der Salzsee ist am Rand 5m tief und in der Mitte 120m. Die ersten 30cm Salz verwendet man um SalzSchmuck zu machen. Die naechsten 130cm benutzt man zum Bauen. Das Speisesalz wird aus jeder Schicht verwendet und anschliessend gereinigt und Jod zugesetzt. In unserer ersten Nacht schlafen wir in einem Salzhotel. Irre schoen, sogar der Boden war aus Salz. Das Essen war super und wir spielten Karten...
Am naechsten Morgen hiess es um 5 Uhr aufstehen, wir haben noch einen weiten Weg vor uns, sagt Raul unser Guide. Wir treffen immer wieder andere Gruppen. Unter anderem die Basken die noch einen Israeli an Bord haben, der so gerne den Jeep tauschen moechte weil er kein Spanisch spricht und auch nicht will. Er reist schon seit 7 Monaten durch Suedamerika und spricht kein Wort Spanisch! Wie das geht wissen wir nicht. Er ist mehr daran interessiert mit Touristen zu sprechen als mit der einheimischen Bevoelkerung. Wir sind Stunden ueber Buckelpisten gefahren, zu den anderen kleineren Salzseen, die alle auf 4000m liegen. Das verrueckte ist, das sie rot oder gruen sind. Jeweils wegen der Algen oder irgendwelcher Oxidationen. Und!: dort leben Flamingos. Irre oder?
Irgendwann kamen wir zu unserer zweiten Unterkunft. Auf 4400m. Es war arschkalt!
Am naechtsen Morgen aber, nach wieder um 5 Uhr aufstehen, kamen wir zu den warmen Quellen (4800m), und es war so schoen warm das man erstmal garnicht mehr rauswollte. Wie aber in der Badewanne, irgendwann wird man schrumpelig und muss raus.
Auf unserem Rueckweg nach Sucre, legten wir noch einen Zwischenstopp in Potosi ein. Wir besuchten die Silbermine. Wir hatten im Vorfeld schon eine Reportage in Sucre ueber die Verhaeltnisse in der Mine angeschaut. Wer interessiert ist: "Devils Miners". In diesem Film geht es um einen 14 jaehrigen Jungen der in den Minen zwei Doppelschichten arbeitet. Also 18 Stunden Arbeit am Tag. Da bleibt fuer die Schule nicht viel Zeit. Potosí ist Quechua und wird P'utuqsi ausgesprochen. Es bedeutet "Lärm" oder "Explosion", wegen der Dynamitexplosionen die den Weg in den Berg freilegten. Wir buchten eine Tour und am naechsten Tag um 8 Uhr gings los. Jonny, unser Guide, war selbst mal Minero. Er hat auch mit 14 Jahren angefangen, weil seine Familie das Geld brauchte. Er hatte aber nur eine Schicht und ist abends in die Schule gegangen. Heute ist er Guide und bringt die Touristen in die Mine.
Potosi war vor 400 Jahren die groesste Stadt der Welt. Groesser als Paris oder London. Jedenfalls erzaehlen sie das alle. Und auch der Lonely Planet. Bestimmt aber war sie die Wichtigste, denn all der Reichtum der Spanier oder letztenendes der Europaeer ruehrt von hier. Man sagt das bis zu 8 Millionen Menschen aus der Indogenen Bevoelkerung hier ihren Tod fanden. Potosi ist eine schoene Stadt, man sieht ihr ihren Reichtum an. Bis ins 19.Jh wurden hier die Silbergroschen fuer Spanien gestanzt. Einige Zeit wurden hier auch Goldmuenzen gestanzt, das Gold kam aber von Peru oder Venezuela. Heute ist die fruehere Geldfabrik ein Museum und die Muenzen von Bolivien werden in Spanien und Holland hergestellt. Ist billiger, sagt unser Guide. Potosi war einmal eine so reiche Stadt das sie zu einem bestimmten Tag im Jahr die Strassen mit Silber geplastert haben! Allerdings faellt das Atmen schwer, denn wir sind auf 4000m. Es ist die hoechste Stadt der Welt. Das begehrte Silber ging irgendwann zur Neige, es wird zwar immer noch gefoerdert aber Hauptfoergungsmetalle sind Zink und Kupfer. An die 88 verschiedenen Metalle werden hier in Potosi und Umgebung gefoerdert. Bis zu 300 verschiedene Bodenschaetze gibt es in Bolivien. Leider haben viele auslaendische Firmen aus Argentinien, Chile und den USA das Monopol, und die Rechte erkauft.
Mit einem kleinen Micro fahren wir raus aus der Stadt und kaufen Geschenke fuer die Mineros. Erfrischungsgetraenke und natuerlich Coca. Ohne Coca gehts hier einfach nicht. Sie brauchen es wie die Luft zum Atmen. Coca, natuerlich angebaut ist eine reine Nutzpflanze. Ein paar Blaetter in die Hand und Backpulver (verstaerkt die Wirkung) oder Quinua (wird hier uebrigens in rauen Mengen angebaut) oder wenn mans eher suess mag mit was Suessem. Allerdings wissen wir nicht was es ist. Es ist braun und suess. Dann kommt die ganze Mischung in die Backe und bleibt da. Der Hunger verschwindet und auch die Muedigkeit. Unsere Lehrerin in Sucre erzaehlte uns einmal das Coca, einen Energiehaushalt von zwei Stuecken Fleisch, 1 Tafel Schokolade, Calcium sowie Proteinen, Eisen, Vitamin A und Vitamin B2 hat. Wir haben es natuerlich auch schon oft gegessen. Heiko ist schon ein richtiger Cocakauer geworden. Und es stimmt, der Hunger geht und auch die Muedigkeit. Der Eroberer Gonzalo de Zárate, der im Auftrag von Karl III. von Spanien die koloniale Macht in Argentinien festigte, lobte den Effekt des Kokablatts: „Die Indios in den Minen können 36 Stunden unter Tag bleiben, ohne zu schlafen und zu essen“. Uebrigens wird das heute auch noch so praktiziert. Die Mineros arbeiten 36 Stunden (naruerlich mit der Ihnen heiligen Cocapause), und haben anschliessend einen Tag frei.
Jonny und wir gehen in einen der Schaechte rein. Es ist stockdunkel, doch gottseidank haben wir Kopflampen mit. Nicole ist irgendwie unheimlich und der Berg ist ja noch hoeher als die Stadt (der Berg war zu Spaniens Eroberungszeiten 5800m hoch, heute ist er nur noch 4800m hoch, sagt uns Johnny), also nochmehr schnaufen. Wir gehen immer tiefer in den Berg und treffen auf arbeitende Leute. Die meisten die hier arbeiten sind aus den umliegenden Doerfern und Indogene und haben eine dicke Cocabacke. Ihre Sprache ist Quechua. Auch Jonny spricht Quechua. Heiko hilft einem der Mineros einen Balken in einen 20 m tiefen Schacht abzulassen. Anschliessend klettert er hinterher. Nicole hofft das wir da nicht runter muessen. Muessen wir auch nicht.
Wir fragen die Arbeiter wie lange sie schon hier arbeiten, wie alt sie sind, was sie so verdienen. Einige arbeiten schon 20 Jahre in diesen duesteren Schaechten, es sind Kinder dabei, die aber angeben zwischen 16 und 18 Jahre zu sein. Ihr Verdienst haengt davon ab, wieviel sie am Tag herausfoerden. Wohlgemerkt alles per Hand.
Zum Schluss sitzen wir bei Tio, dem Gott der Unterwelt, erschaffen von den Spaniern. Die Spanier brachten den Katholizismus hierher, aber die Indogenen haben ihn mit ihren Goettern gemischt. Wenn ein Bolivianer an einer Kirche vorbeigeht bekreuzigt er sich erfuerchtig, aber der Gottesdienst wird in Quechua abgehalten. Jedes Dorf hat seinen Heiligen, oft einfach ein Stein, wo der Heilige drin sitzt. Auch zum Beispiel die Entrada in Sucre vor einigen Wochen, sie tanzen zur heiligen Jungfrau, aber immernoch noch wie zu Inkazeiten. Tanzen ist lebensnotwendig fuer die Bolvianer. So tanzen sie ihren Frust und ihr Leid weg. Aber sie machen sich zum Teil auch ueber die Spanier lustig, wie sie vollgepackt mit Gold und Silber ueber die Anden stapfen.
Den verschiedenen Goettern wird vieles geopfert: Suesses, Lamas, Wasser u.v.m. Tio aber mag am liebsten Zigaretten, Alcohol und Coca. Jeden Freitag sitzen die Minenarbeiter bei Tio und bringen ihm 96%igen Alcohol, Zigaretten und Coca. Coca wird auf seinem Kopf, seine Schultern, seinen Penis und auf die Beine gestreut. Anschliessend fuer Pachamama die Mutter Erde. Auch von dem Alcohol wird ueberall etwas hingeschuettet, und einen Schluck fuer den Minero. Und eine Zigarette in den Mund von Tio. Denn Tio passt auf, das keine Unfaelle passieren, das sie Licht haben und das sie weiterhin Minerale finden, in seinem Reich der Unterwelt, der Welt von Tio.