Mittwoch, 16. Januar 2008

Cambodia 2

Rattanikiri


Da der Bus nach Kratie ueberbucht war und so mancher Fahrgast in der Mitte auf Plastikstuehlen sitzen musste, kauften wir unsere Tickets am Abend vorher, um sicher zu gehen nicht auch in der Mitte Platz nehmen zu muessen. Puenktlich wie die Deutschen nunmal so sind, waren wir zum vereinbarten Zeitpunkt da, aber der Bus noch lange nicht. Um die Zeit zu vertreiben, spielten Nicole und Nicole Karten. Ja, zwei Nicole's. Same same - but different.
Die andere Nicole kommt aus der Schweiz und reist mit Matthias, die wir auf der letzten Busfahrt kennenlernten.
Als der Bus dann kam, bemerkten wir schon beim Einladen unseres Gepaecks, das auch dieser Bus schon reichlich an Travellern bei sich hatte, die aber nicht auszusteigen schienen. Endlich
drinnen, wurden uns freundlich Plastikstuehle gereicht, die dann wieder in der Mitte aufgestellt wurden. Und so ging es dann los, und es versprach eine angenehme Fahrt zu werden. Nach ungefaehr der Haelfte der Fahrt machten wir zum erstenmal Rast, was die Fahrt in "angenehm" und "ganz schoen krass" teilen sollte. Wir stiegen also alle wieder ein und schon nach der ersten Rechtskurve wurde die Strasse rot, erdig und unglaublich staubig. Das heisst, es wurde so staubig, dass die ganze aufgewirbelte Erde hinter der letzten Sitzreihe in den Bus hineindrueckte, sodass wir kurze Zeit spaeter von roter Erde umnebelt wurden. Was nun tun?
Der Busbegleiter hatte die umwerfende Idee, wir sollten doch mal das Fenster aufmachen, damit der Staub abziehen koenne. Und es half tatsaechlich. Nachdem sich der Nebel gelichtet hatte, wurde die Strasse immer schlechter. Riesenkrater schienen in der Strasse zu sein, die wenn man durchfuhr und in der hintersten Reihe sass, dich an die Decke katapultieren konnte. In regelmaessigen Abstaenden ueberquerten wir auch Bruecken, die manchmal nur aus ein paar Brettern bestanden, und man sich zwangslaeufig fragte: Haelt das ueberhaupt den Bus aus? Es hielt. Nach 6 Stunden Abenteuer und mueden Hintern kamen wir in Rattanikiri an. Alles war mit rotem Staub bedeckt. Autos, Baeume, Haeuser und selbst in den Haeusern war der rote Staub. So muss man sich im Wilden Westen fuehlen oder vielleicht auch in Australien, im Outback? Wir werden sehen! Mit Matthias und Nicole wollten wir hier eine Tour machen und besprachen das erstmal bei einem Bier in einer Wildwestkneipe. Die Wildwestkneipe war
eigentlich eine Bretterbude, aber das Essen war spitze und zur Begruessung gibt es immer erstmal Bier. Es muss ja so sein, da sind Falangs, die trinken bestimmt Bier. Die Bedienungen, die den ganzen Tag in gebluemten Schlafanzuegen herumliefen, sorgten dafuer, dass es nicht ausging. In der Umgebung von Banlung, der "Hauptstadt" von Rattanikiri, gibt es viele Kautschukfarmen, also Kautschukbaeume die "angezapft" werden. Das heisst, unmittelbar nach dem Schnitt in die Rinde fliesst der weisse Milchsaft in unten aufgestellt Schale.
Jede Menge Wasserfaelle gibt es hier, und hier leben die Krun, eine Minderheit, die wir besuchen
wollen. Als wir das Dorf erreichten, stampften gerade zwei Krunfrauen mit einem Holzmoerser Reis. Sie loesen so die Spreu vom Korn. Danach werfen sie alles in die Luft und der Wind pustet die Spreu davon. Uns schien es ganz schoen anstrengend wie die Frauen so stampften. Unser Guide erklaerte uns, das die Hauptarbeit der Krun die Frauen machen, und die Maenner eigentlich zum Jagen gehen und auf dem Feld mithelfen. Die Krun leben in Ihrer gesamten Sippe zusammen, mit anderen Sippen im Dorf. Sobald die Maedchen Ihre Menstruation bekommen, wird fuer sie ein eigenes "Haus" (Bambushuette) gebaut, indem sie fortan leben, bis sie heiraten. Frueher war dies auch Brauch bei den Jungen, wenn sie im Stimmbruch, also in die Pubertaet kamen, aber mittlerweile tun es nur noch die Maedchen. Die Haeuser sind sehr einfach, manchmal auf Stelzen ( die Huetten der Maedchen sind ca. 2- 3m ueber dem Boden), mit Bambuswaenden. Die Feuerstelle ist meistens ausser Haus. Im Haus wird nur geschlafen.
Nicht weit vom Dorf entfernt war eine Schule, die von einer der unzaehligen Organisationen ins Leben gerufen wurde. Hier hatte man die Moeglichkeit mit den Kindern zu sprechen und manche von Ihnen, sprachen verblueffend gut Englisch. Einer von Ihnen wollte Arzt werden, ein anderer Ingenieur. Diese Organisationen helfen, das es in Kambodscha wieder moeglich ist, Aerzte und andere wichtige Berufe heranzubilden. Manche leben weit weg von Ihrem zu Hause, weil es bei Ihnen keine Schule gibt, oder keine gefoerderte Schule. Die Schueler fuehrten uns in Ihre Klassenraeume und erklaerten uns, in was sie gerade Unterricht bekamen.
Anschliessend fuhren wir zu einem Vulkansee, der absolut idyllisch war. Mit unserem Guide tranken wir ein Gemisch
aus vergorenen Palmblaettern und Reis, das 3 Monate in einem Tonkrug ruhen muss. Es wird von den Krun hergestellt und nur sie wissen wie man es herstellt. Bevor man trinkt muss man Wasser hineinschuetten, damit sich
der Alkohol und das vergorene Etwas loest und sich vermischt. Dann wird es mit Strohhalmen aus Bambus getrunken... Es schmeckt etwas suesslich aber auch etwas vergoren und leicht modrig, ganz lecker eigentlich. Danach gingen wir wieder zu unseren gebluemten Bedienungen.

Am naechsten Tag wollten wir ein Dschungeltrekking machen, und zu Anfang mussten wir erstmal lernen wie man mit einer Armbrust umging, fuer den Fall der Faelle... Jeder musste mal auf eine Colabuechse schiessen, die sich aber nicht bewegte. Die Spitze der Pfeile war mit Gift versehen. Na Gottseidank...
Wir kamen an Cashewnutplantagen und trockenen Reis- und Zuckerrohrfeldern vorbei. Es ging quer durch den Dschungel, aber kein Tier begegnete uns, nur die beiden Hunde unseres Guides waren dabei. Naja, anstrengend war es allemal und wir waren echt froh wieder im Dorf angekommen zu sein.
Die Fahrt am naechsten Tag zur Grenze war dann ein
leichtes, da wir ja schon richtige "Cowboys" waren. Der rote Staub konnte uns nichts mehr anhaben.
In Stung Treng mussten wir den Bus wechseln und nun sollte es an die laotische Grenze gehen. Eigentlich muss man in Stung Treng mit einer Faehre den Mekong ueberqueren, um weiterzufahren, aber unser Fahrer hatte die grandiose Idee, die gerade fertiggewordene Bruecke zu nehmen. Leider hatte jemand den Schluessel von der Schranke verbaselt. Tja was macht man in einem solchen Fall. Ein Polizist war auch da, und der meinte wir sollten erstmal einen Mekongwhiskey trinken. Dann wird das schon.
Unser Busfahrer konnte kein Englisch aber er kannte jemanden, und den rief er einfach an. Dieser Jemand uebersetzte uns, das wir ueber die Bruecke laufen sollten. Auf der anderen Seite kaeme dann ein anderer Bus. Hmm... wir beratschlagten uns mit den anderen Travellern. und die Franzosen waren sehr misstrauisch. Was wenn kein Bus kommt? Wir haben fuer das Ticket bezahlt!
Aber uns blieb ja nichts anderes uebrig. Auf der anderen Seite war tatsaechlich kein Bus. Aber da war ein Waerter und der erklaerte uns auf Deutsch! das bald ein Bus kaeme. Wir sollten uns einfach gedulden. Der Bus haette eine Panne, weil
der Fahrer vergessen hatte zu tanken. So spielten wir Karten und irgendwann kam der Bus...




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Donnerstag, 3. Januar 2008

Cambodia 1

23.12.2007-11.01.2008

Same same - but different

Nach 9 Stunden auf dem Boot und im Bus erreichten wir Phnom Phen. Reisen ist ganz schoen anstrengend. Aber die Betonung liegt auf schoen. Einen Tag nach unser Einreise war dann Heiligabend. Unser Weihnachtsfest war sehr ruhig. Zur Feier des Tages goennten wir uns einen Pfannkuchen mit Vanilleis und Schokososse.
Phnom Phen gefaellt uns richtig gut, mit seinen breiten Alleen und seiner Kollonialarchitektur. In ganz Suedostasien merkt man das hier mal die Franzosen waren ;-).
Ein TukTuk Fahrer war uns bei der Suche eines Hotels behilflich und so machten wir fuer den naechsten Tag eine Stadtrundfahrt in seinem TukTuk aus. Wir besuchten den Centralmarkt und den Kaiserpalast. Waren mittags in seinem Lieblingscafe Kaffee trinken und hatten auch sonst eine Menge Spass mit ihm. "Cambodian Hospitality" war sein Leitsatz. Einmal mussten wir an den Strassenrand fahren, weil die Polizei dort stand. Und wie der Zufall es so wollte fuhr wenige Minuten spaeter der Koenig von Kambodscha an uns vorbei. Er winkte, und wir winkten zurueck. Wenn das mal keine
Begruessung ist. Aber unser TukTuk Fahrer
mag ihn nicht besonders, denn er macht nicht viel fuer die armen Leute.
Eigentlich sollten noch 2007 die Roten Khmer Prozesse stattfinden, doch es kam nicht dazu. Am 25.12. war dazu eine Demonstration von ca. 100 Moenchen in der Innenstadt von Phnom Phen, aber wir bekamen das erst viel spaeter mit. Die Menschen sagen das die Prozesse wohl erst stattfinden werden, wenn die Fuehrer der Roten Khmer tot seien.
Nicht nur einmal hoerten wir das Wort "Marionettenkoenig".
Als Tourist bekommt man nicht viel von der
Politik mit, aber man sagt das System sei korrupt.
Die Gesellschaftsunterschiede sind krass. Ein paar Superreiche und viele arme Menschen. Aber trotzdem wirken sie zufrieden. Sie so warmherzig das einem selbst das Herz aufgeht.
(Bild oben: ueberall Schneider und Schneiderinnen an der Strasse oder im Marktgebaeude)
In dem Viertel wo unser Hotel liegt, gibt es ein kleines Restaurant, das eine excellente Kueche hat. Das Lieblingsgericht von Heiko ist "Amok". Fisch mit Curry und Zitronengras.
Oder doch die kambodschanische Nudelsuppe am Morgen? Schwer zu sagen. Das Essen ist jedenfalls super.
Am Abend kommen viele Kinder um Buecher zu verkaufen, manche sind nicht mal
10 Jahre alt. Sie gehen nicht zur Schule denn ihreFamilien sind so arm das sie mithelfen muessen, damit alle was zu Essen haben. In Kambodscha muessen die Familien die Schule selbst zahlen, nicht der Staat. Es gibt zwar gestiftete Schulen, aber nicht alle Kinder haben das Glueck dorthin zu gehen. Immer wenn dann etwas Geld uebrig ist, gehen sie dann einen Tag zur Schule.
(Bild oben: die Empfangshalle das Koenigs)
Unser TukTuk Fahrer oder auch Mr. Banana genannt, ist stadtbekannt und er hat sogar ein
paar Freunde die gerade ein Guesthouse in Siam Reap eroeffnen. Wir koennten die ersten Gaeste sein. Am 27.12. machten wir uns auf den Weg nach Saim Reap. Alles klappte wie am Schnuerchen und wir waren wirklich die ersten Gaeste. Siam Reap ist eher eine kleine Stadt und fuer die Touristen in den letzten Jahren enorm gewachsen und verschoenert worden. Eben westlich angepasst. Hier reisen die meisten Touristen hin, um die Angkor Tempel anzuschauen. Die naechsten Tage verbringen auch wir in den Angkor Anlagen. Ein riesiges Areal wo ueber die Jahrhunderte Tempel erbaut wurden. Manche von ihnen waren einst Koenigssitze,
spaeter einem Gott oder einer Goettin geweiht. Eine zeitlang total vergessen und der Natur ueberlassen, schliesslich wiederentdeckt, wieder vergessen und so weiter. Die Roten Khmer verschanzten sich hier, anderen Menschen diente es als Zufluchtsort. Man sagt im Krieg haben die Soldaten die Koepfe der Statuen geklaut oder Reliefs herausgehauen, um sie dann nach Uebersee zu schaffen, denn jenseits der Grenze kuemmerte es niemanden mehr, es brachte einfach gutes Geld.
Trotz allem tut das der Erhabenheit dieser Tempel keinen Abbruch und es ist fast mystisch durch diese Anlagen zu wandeln. Denn die Natur
hat sich im Laufe der Zeit zurueckgeholt was ihr gehoert.
Ueberall in den Anlagen sind Kinder, die entweder Stoffe, T-Shirts, Hosen, Armreifen oder kalte Getraenke verkaufen. Sie laufen auf dich zu und rufen "Hello. Buy one. Only one dollar.""No, i have one." "Buy a different one. Same same, but different.""No, I don't need more." "Maybe tomorrow, you promise."
Am naechsten Tag deckten wir uns mit Heften und Buntstiften ein. Immer wenn jetzt ein Kind kam, schenkten wir Ihnen je ein Heft und Buntstifte. Sie freuten sich so sehr und vielleicht, fuer eine Minute, vergassen sie das sie arbeiten
muessen.
Wir verbrachten eine laengere Zeit in Siam Reap, da wir noch auf unser Visa fuer Laos warten mussten. Wir erkundeten die Umgebung per Fahrrad, was manchmal schweisstreibend und zu Sonnenbraenden fuehrte. In der Naehe von Siam Reap ist der groesste Suesswassersee Suedostasiens und unverzichtbare Nahrungsquelle fuer viele Kambodschaner. Ausserdem ass Heiko zu hauf frische Fruehlingsrollen und Nicole trank eine Menge Kokosnussmilch.
Als wir dann endlich unser Visa hatten fuhren wir nach Kompong Cham, weil wir dachten von dort koenne man mit dem Schiff nach Laos einreisen. Aber Fehlanzeige. Das geht schon seit 2 Jahren nicht mehr. Kompang Cham ist noch recht
urspruenglich, es war ganz schoen auch mal ein Stadt zu sehen die noch nicht ganz dem westlichen Stil angepasst war. Am naechsten Tag nahmen wir den Bus nach Kratie.
Wir reisen die ganze Zeit am Mekong entlang und man bekommt einen ganz guten Eindruck wie wichtig der Mekong fuer die Menschen und Tiere hier ist. Er ist Nahrungsquelle, Wasch- und Lebensraum.
In Kratie mieteten wir uns ein Motorbike und fuhren in die umliegenden Doerfer. Man kann dort auch die seltenen Irrawaddy Delphine beobachten. Wir hatten Glueck ein paar von ihnen zu sehen, aber fuer ein Foto war es zu spaet. Auf unserem gesamten Weg wurden wir von den Kindern der Doerfer begruesst. "Hello" rufen sie und winken. Das war ein wunderschoener Tag.
(Bild oben: das Suedtor zu Angkor Thom)
Eigentlich wollten wir weiter nach Laos reisen, doch wir entschieden uns doch noch in ein etwas abgelegeneres Gebiet in den Nordosten zu reisen. Rattanakiri. Aber das kommt spaeter!


(typischer Markt in Asien)

die Kinder aus den Doerfern die immer rufen und zuwinken