Mittwoch, 13. Februar 2008

Laos 3

Nach alldem Rumhaengen muessten wir jetzt aber mal wieder was richtig "krasses" machen,
dachten wir uns so! So ein "Homestay" bei den Kmu oder den Hmongs und dazu ein bisschen Sport. Ja, solche Touren gibt es hier zu Hauf und es lohnt sich!
Unser Guide Gau, er ist ein Hmong, wird uns die naechsten Tage begleiten. Er spricht gut Englisch und er will, wenn er genug Praxis im Reden hat, wieder zurueck in sein Dorf, um dort die Kinder in Englisch unterrichten.
Erstmal ging es mit dem Fahrrad raus aus der Stadt, in den Wald hinein. Ueber Stock und Stein, bergauf und bergab. Wir fuhren am Nam Khan Fluss


entlang, den wir in drei Tagen im Kajak befahren sollten. In der Elefantenfarm, nach dreieinhalbstuendiger Fahrt, machten wir Rast. Nicole hatte so einen Hunger, das sie uebermaessig in sich reinstopfte und ihr erstmal schlecht wurde. Dann ging es eine kleine Strecke mit dem Boot weiter,
und noch circa eine Stunde zu Fuss, bis wir das erste Kmu Dorf erreichten in dem wir uebernachten sollten. Gleich beim Ankommen bemerkten wir die "Dorfkneipe", wo schon ein paar Dorfbewohner sassen und Lao Lao tranken. Wir bezogen unser "Quartier", das im Kmu Stil gebaut war, aber nur fuer die Gaeste des Dorfes bestimmt ist. Es ist eine Huette auf
Stelzen, die Waende sind aus Bambus geflochten. Innen war ein grosser Raum, mit einer kleinen Trennwand. Hier sollten wir schlafen. Matratze, Decken und Moskitonezte waren vorhanden. Wenn man beim Hinausgehen die Bambusleiter abstieg, stand man unter einem Unterstand, das auch nochmal abgetrennt war. Auf einer Seite war die Feuerstelle, wo Gau unser Essen zubereitete, auf der anderen Seite war eine Schuessel Wasser wo wir uns waschen konnten und einen Tisch an dem wir essen wuerden. Die "Toilette" war ein Loch hinter dem Haus in einem Bambusverschlag.
Vor dem Essen wollten wir nochmal das Dorf
erkunden. Wir fragten Gau auch noch ob es erlaubt waere Fotos zu machen, denn viele Bergvoelker glauben, das alle Lebewesen eine Seele haben, die verloren gehen wuerde wenn man sie fotografiert. Gau meinte aber, wir koennten Fotos machen, wir muessten nur vorher fragen. So machten wir uns auf den Weg und kamen an einer Schule vorbei, die aus demselben Material bestand wie die Wohnhaeuser, aus Bambus. Innen befand sich eine Tafel und ein paar Baenke . Wir nahmen Platz und auch die Kinder nahmen irgendwo Platz. Erstmal wussten wir nicht wie wir mit
Ihnen kommunizieren sollten, denn sie
verstanden kein Wort Englisch und wir kein Kmu. Die Kinder lernen in der Schule zwar laotisch, doch auch unser laotisch beschraenkt sich auf Guten Tag, Danke schoen und Auf Wiedersehen. Heiko malte mit Kreide Sachen wie Sonne, Mond, Auto, Haus und Palme und zeigten dann drauf und sie sagten uns die Bezeichnungen in ihrer Sprache. Wenn wir die Woerter wiederholten, lachten sie sich halb kaputt. Heiko schrieb in Englisch "Hello, my name is Heiko" auf die Tafel und die Kinder wiederholten es. Wieder und wieder. Eigentlich sollten sie ihren Namen einsetzen, aber... Wenn Ihr also mal in das Dorf kommt, wundert Euch nicht, wenn sie "Hello, my name is Heiko" sagen. Danach schrieb Heiko die Zahlen von 1-10 an die Tafel und wir lernten zaehlen. Dann rechnten wir mit Ihnen. Jetzt war es aber Zeit fuer den Schulhof und die Kinder zeigten uns ein Stockspiel, das ganz simpel aus zwei verschiedenen Stoecken besteht. Es gibt ein Loch in der Erde, der kuerzere Stock liegt quer darueber und mit dem Langen musste man den kurzen Stock versuchen weit weg zu schiessen. Die gegnerische Mannschaft versucht den Stock abzufangen und zurueck ins Loch zu werfen. Je nachdem wie weit oder wie nah der Stock wieder zurueck zum Loch geworfen wurde, gab es verschiedene Wurftechniken anzuwenden. Das Spiel erinnert ein bisschen an Baseball. Aber wir glauben das sie von Baseball hier noch nichts gehoert haben. Wir gingen dann weiter zum Dorfbrunnen, wo die Dorfbewohner sich waschen und Wasser zum kochen holen. Einige der Kinder begleiteten uns und versuchten uns zu erschrecken, indem sie Tiere wie Schlangen, Tiger oder Hunde imitierten. Das war garnicht so uebel. Anschliessend wollten wir uns in der Dorfkneipe mal ein Bier Lao genehmigen. Wir wurden gleich mit offenen Armen empfangen und mussten Lao Lao trinken. Lao Lao wird aus Sticky Rice gemacht und ist hochprozentiger klarer Schnaps. Der Becher wird halb gefuellt, und an jedem in der Runde weitergegeben und mit den Worten "Samaikii" gewuerdigt und getrunken. Samaikii bedeutet soviel wie Freundschaft, Zusammensein und Teilen. Erst wussten wir nicht, das es sich eigentlich gehoert, Ihnen auch von unserem Bier in der gleichen Weise anzubieten, aber Gau klaerte uns auf. Heiko bemerkte dann das der Hund der neben uns lag, tot war. Naja, auch in Laos essen sie Hunde, erzaehlte uns Gau.
Danach gab es Essen und wir sassen bei Kerzenschein zusammen. Manche Dorfbewohner standen um uns herum, und sahen uns einfach zu, bzw. an. Wir waren einfach sehr interessant.
Gau erklaerte uns, das in diesem Dorf erst seit kurzem Auslaender hier sein duerfen. Das wird von Dorf zu Dorf in deren Versammlunghalle entschieden. Sowieso ist es besser die Doerfer nur mit einem Guide zu besuchen. Zum einen, weil man sie allein nicht finden wuerde, zum anderen weil es besser ist jemanden dabei zu haben der die Sprache kann, und so erfaehrt man schon mehr von und ueber die Menschen. Ausserdem muss man sich nicht als Eindringling fuehlen, denn wenn jemand dort einfach so auftaucht, haben die Menschen Angst das die Leute boese sein koennten. Der Tourismus hat es in die Bergdoerfer erst vor ein paar Jahren geschafft. Gau, oder die Agentur in der
er arbeitet, hat eine Erlaubnis von der Regierung, die Bergdoerfer zu besuchen. Die meisten Minderheiten kommen aus China, und sind irgendwann mal gefluechtet, Richtung Sueden. Da die Taeler und guten Plaetze schon besetzt waren, mussten sie in die Berge ziehen, das war vor rund 200-300 Jahren. Dieses Dorf hatte 35 Familien (420 Einwohner) und es sind alles Farmer. Die Kinder muessen schon frueh Aufgaben der Erwachsenen uebernehmen. So muss eine 4-jaehrige schon auf ihre kleine Schwester den ganzen Tag aufpassen, sie herumtragen, sie fuettern. Und um die Tiere muessen sie sich auch kuemmern, waehrend die Eltern die Felder bestellen. Am naechsten Tag besuchten wir ein Hmong Dorf. Die Hmong bauen eine Art Reis an, welches auch im Hochland ohne Wasser waechst. Viele Hmong bauen noch Opium an, was natuerlich illegal ist, aber aus der Geschichte heraus geduldet wird. Viele Hmongs rauchen auch selbst Opium und um diese Familien ist es nicht gut bestellt.
Das Dorf der Hmongs das wir halber Strecke passiert haben, bestand aus 15 Familien, eigentlich waren es mal 35, aber viele sind auf Druck der Regierung in die Taeler umgesiedelt. Teils auch auf eigenen Wunsch, mit Hoffnung auf ein besseres Leben. Fuer die Regierung ist es ein teures Unterfangen, die einzelnen Doerfer mit Strom und Wasser zu versorgen. Einen grossen Teil muss die Dorfgemeinschaft tragen. Manche Doerfer siedeln um, oder zu einem anderen Dorf, wo schon Brunnen und Elektrizitaet istvorhanden sind. Die Hmongs sind ein Wandervolk. Sie bauen ihren Reis oder andere Sachen an, und wenn der Boden nach 5 Jahren nichts mehr hergibt, zerstoeren sie ihre Haeuser und bauen woanders neue auf. Ein Hmonghaus zu bauen, dauert 2 Tage. Aber es besteht auch nur aus Bambus, Schilf und Palmblaettern."Unser" Hmong Dorf verfuegte weder ueber einen Brunnen noch ueber Elektrizitaet. Sie haben ein grosses Wasserloch in dem alle baden, auch die Schweine und sie benutzen es auch als Trinkwasser und zum Kochen. Fuer uns kaum vorstellbar. Allerdings koennen sie in der Regenzeit besser Wasser auffangen. Nach anstrengendem Trekking auf schmalen Pfaden, wunderschoenen Aussichten ueber die Berghaenge erreichten wir das 2. Kmu Dorf, wo wir die 2. Nacht verbringen sollten. Gleich beim Ankommen wurden wir zu Lao Lao








eingeladen. Die Dorfcheriffs aus den umliegenden Doerfern waren gerade da, um irgendwas zu besprechen. Wir machten reichlich Samaikii und dann machten wir uns schoen angeheitert auf zu einem Dorfspaziergang. In diesen Doerfern wird man morgens von den Haehnen aufgeweckt, nicht aber wir. Wir hatten die einmalige Chance mitzubekommen wie der Hilfscheriff des Dorfes ein Haus baut, und am ersten und am letzten Tag eines Hausbaus, wird die ganze Nacht laut Musik gespielt um die boesen Geister zu vertreiben. Wenn die Anlage streikt, sitzen nebenan ein paar Musiker, die mit den traditionellen Instrumenten einspringen. Und wir sollten gleich neben der Tanzflaeche schlafen. An Schlaf war aber nicht zu denken. Wir versuchten uns mit Kartenspielen und "Wer bin ich" wach zu halten. Nicole versuchte zu schlafen, aber es wollte nicht recht
funktionieren. Dann gingen wir einfach auf die Tanzflaeche, mal schauen wie die Kmu so tanzen und feiern. Gleich wurden wir aufgefordert und jeweiligen Tanzpartnern zugeordnet. Sobald ein Lied oder die Musik verstummte rasten alle von der Tanzflaeche und wir wurden auch mit weggezerrt. Die Party dauerte bis in die Morgenstunden, also bis es hell wird.
Das Essen war zwar eigentlich okay aber irgendwie spinnt unser Magen, dass versprach eine heitere Rueckreise zu werden. Und so ging es dann zurueck zur Elefantenfarm. An Kajaking war bei Nicole nicht zu denken und so versuchte Heiko mit einem Guide sich alleine nach Luang Prabang zurueckzuschlagen.
Eigentlich wollten wir weiter nach Thailand, doch krank macht das alles keinen Sinn. Irgendwie scheint uns die Stadt nicht weglassen zu wollen. Wir hoffen morgen sind wir beide wieder reisebereit und in 14 Tagen geht unser Flug nach Sydney. Huih. Und wir wuerden gerne noch eine Woche am Strand liegen, bevor wieder der Ernst des Lebens beginnt.
Wir muessen uns naemlich Arbeit suchen. Hier ist es seit gestern kalt wie bei Euch. Es fuehlt sich jedenfalls so an. Jetzt muessen wir uns von Laos verabschieden...